5 Westerntaschenmesser im Vergleich - womit Cowboys so ihre Schnitzel schneiden.

  • Hallo liebe Freunde der scharfen Sachen!


    Heute will ich einmal einige Messer vorstellen und vergleichen, die zwar von einigen Messerfreunden gesammelt und wertgeschätzt werden, aber in Foren und Zeitschriften- so finde ich jedenfalls - etwas stiefmütterlich behandelt werden: Die sogenannten "Cowboy-Messer". Meine Gattin spricht etwas abfällig von "Opamessern" - aber die würde Messer schließlich beim Kaffeeröster kaufen. :dash:


    In der Regel handelt es sich bei den "Cowboymessern" um traditionelle Slipjoint Messer, oftmals mit mehreren Klingen unterschiedlicher Größe. Die Griffschalen bestehen meistens aus gefärbtem Knochmaterial unterschiedlicher Färbung - aber auch Holz und Kunststoff kommen zum Einsatz. Zahlreiche Firmen stellen diese Art Messer her - Case, Great Eastern Cutlery aber auch deutsche Firmen, wie Böker, Klaas, Hartkopf und die Firma Friedrich Olbertz, die unter dem Namen Carl Schlieper - German Eye Brand, in den USA einen größeren Bekanntschaftsgrad hat, als in Deutschland. Sogar CRKT hat einige Messer im Programm. Am bekanntest sind wohl die Messer der US-Amerikanischen Firma Case, die eine große Palette Messer in unterschiedlichen Ausführungen im Angebot hat. Das Angebot der Standardmesser wird des öfteren um Modelle aus Sondereditionen erweitert.


    Aufgrund des eher moderaten Preises und der riesigen Auswahl von Modellen, sind diese Messer dankbare Sammelobjekte - ähnlich wie französischen Taschenmesser oder "Schweizer". Außerdem haben diese kleinen Schneidwerkzeuge einen hohen Nutzwert im Alltag, sie lassen sich alle sehr angenehm mitführen und lösen bei unseren - unverständlicherweise nicht messerinteressierten Mitmenschen - keine unguten Gefühle aus oder erzeugen rote Panikflecken im Gesicht.


    Zunächst einmal ein Vergleichsfoto von den Messern, die ich Euch zeigen möchte (von oben nach unten: Case Folding Hunter, C.Schlieper Cigar Whittler, Case Silver Script Goldenrod Bone BackPocket, Case Trapper Amber Bone und das Böker Plus Trapper.



    Case Folding Hunter - das größere Trapper


    Das Case Folding Hunter fällt etwas aus dem Rahmen - über 230 gr. schwer und mit über 10 cm Klingen ist es das größte Messer der Runde. Die beiden Klingen sind jeweils 10,5 cm lang und 3 mm, bzw. 2 mm dick. Die Griffschalen sind aus Holz (Jigged Stamina Wood) gefertigt und geben dem ca. 14 mm starken Griff gute Eigenschaften. Das Messer ist insgesamt 23,5 cm im ausgeklappten Zustand lang. Das Messer wird mit einem naturfarbenen Lederholster geliefert. Das Holster trägt die Aufschrift und "Case" und ein Bild von einem Opa (Räuber Hotzenploltz?) :laugh: . Die Verarbeitung ist - wie bei allen hier vorgestellten Messern HERVORRAGEND. Das Messer kostet ca. 90 EUR - viel Messer fürs Geld.



    C.Schlieper Cigar Whittler


    Das Cigar Whittler wurde schon einmal im Messermagazin vorgestellt. Es verfügt über 3 Klingen. Die Hauptklinge ist 9,5 cm lang und die 3 mm dick. Die beiden anderen Klingen sind 5 cm lang und < 2 mm stark. Das 22,5 cm lange Messer ist ca. 13 mm dick. Die Griffschalen sind aus Knochen gefertigt. Die Verarbeitungsqualität ist mindestens genau so gut, wie die der Casemesser - vielleicht sogar noch besser. Die Feder des Whittler ist etwas schwächer als beiden anderen vorgestellten Messern. Das macht das Öffnen und Schließen etwas angenehmer als bei den anderen Messern, deren Federn z.T. schon einen erheblichen Kraftaufwand erfordern. M.E. ist das Messer wegen der Messerform am elegantesten. Aufgrund der tollen Haptik hat man es gerne in der Hand - auch wenn man nichts zu schneiden hat.



    Case Silver Script Goldenrod Bone Back Pocket

    Das Back Pocket ist schon etwas zierlicher als das Hunter und das Whittler. Die Klinge ist 9 cm lang und 2 mm stark, das Messer misst insgesamt 20,5 cm. Mit eine Dicke von 10 mm, gemessen, eignet es sich hervorragend zum Tragen in der Gesäßtasche. Die Griffschalen sind ebenfalls aus Knochen. Der warme, honigfarbene Ton des Griffes mit dem silbernen Schriftzug macht das Messer zu einem echten Hingucker. Der Griff, der nach hinten breiter wird, bietet viel Platz für dieses schöne Griffmaterial. Die Klinge verfügt über eine Fehlschärfe über fast die ganze Klingenlänge. Es gibt Modelle mit unterschiedlichen Farbtönen und auch Klingenformen.



    Case Trapper Amber Bone


    Der Klassiker schlechthin. 2 Klingen - jeweils 8,5 cm land und 2 mm dick, Gesamtlänge geöffnet 19 cm. Das Messer ist zusammen mit dem Böker Plus Traper das kleinste Messer der Runde. Der Griff ist max. 13 mm dick. Ebenfalls sind zahlreiche Varianten erhältlich - auch mit Klingen aus Kohlestoffstahl. Kostet ca. 60-70 EUR



    Böker Plus Trapper - der unscheinbare Bruder


    Das Böker Plus Trapper hat nahezu die gleichen Maße wie das Case Trapper die Kingenform der Hauptklinge und der Nagelhau ist etwas anderes und das Messer ist mit 12 mm etwas dünner. Böker hat diese Messer nicht mehr im Programm. Ich habe es für 15 EUR (!) im Abverkauf erstanden. Allerdings wird es noch von einigen Onlineshops für um die 20 EUR angeboten.



    Die Verarbeitungsqualität des Messer kann nicht mit den anderen Messern mithalten. Das wir im Vergleich mit dem Case Trapper deutlich:


    Aber selbst für den damaligen Normalpreis (zwischen 30-40 EUR) war die Qualität okay. Man sieht halt Bearbeitungsspuren und das Klingenfinisch ist nicht so schön wie beiden anderen Messern. Die Griffschalen sind aber auch beim Böker Trapper passgenau aufgesetzt und haben ebenfalls eine schöne Haptik. Auch, wenn man Abstriche machen muss - ich würde es wieder kaufen.


    Fazit: Meine Cowboys begleiten mit öfters und erledigen die Schneideaufgaben des täglichen Lebens perfekt. Auch wenn man kein Kalb kastrieren muss (dazu dient angeblich oder tatsächlich die 2te. Klinge bei den Trappermodellen) :rofl: . Ich werde mir auf jeden Fall noch das ein oder andere Model anschaffen. Die Verpackung der Case-Messer übt auch mich eine große Anziehung an - wie seinerzeit die Matchboxautos. :) Vielleicht ist das nächste Cowboymesser von Great Eastern Cutlery - das wäre mir glatt ein Review wert.


    Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag!
    Liebe Grüße Martin

    3 Mal editiert, zuletzt von Bushwacker () aus folgendem Grund: die liebe Rechtschreibung

  • Danke für die schön bebilderte Vorstellung einer ganz eigenen Messerkategorie!
    Liest sich total interessant und hat mich nun auf Messer aufmerksam gemacht,
    die ich Banause ähnlich wie Deine Ehefrau bezeichnet hätte ... :fie:


    (und nein, ich habe noch nie ein Messer beim Kaffeeröster gekauft )

  • die ich Banause ähnlich wie Deine Ehefrau bezeichnet hätte ...

    Na ja - der "Messergeschmack" unterliegt ja auch einer gewissen Veränderung - wie das bei Hobbies so im Allgemeinen der Fall ist.


    Am Anfang mussten meine Messer möglichst dick, groß, feststehend oder feststellbar sein. In letzter Zeit gefallen mir auch die feineren Sachen immer mehr.


    So lange beschäftige ich mich auch noch nicht mit dieser Art von Messern. Will sagen - Banause ist man deswegen nicht! :)


    Viele Grüße
    Martin

  • Mein Onkel war Landwirt - der hatte immer ein "Elektrikermesser" in der Tatsche - ein einfaches Slipjoint, mit dem er so ziemlich alle Arbeiten erledigt hat, die Du aufgezählt hast. Ich kenne einige Jäger, die zum Aufbrechen noch immer ähnliche Messer (oder aber ein altes Fleischermesser) verwenden.
    Mein Opa hatte schon seit ewigen Zeiten ein Böker Sportmesser - das hatte er den ganzen 2.Weltkrieg bei sich. Das Messer besitze ich heute noch. Von meinem Opa habe ich übrigens auch mein erstes Messer bekommen - ein kleines "Perlmut-Opa-Messer". Der ist übrigens auch Schuld an meinem Messerhobby: "Ein echter Junge hat immer ein Taschenmesser und ein Stück Bindfaden in der Tasche."


    Was würde der sich wohl gerne meiner "Messerschätze" angucken, wenn er noch leben würde....


    Viele Grüße
    Martin