Messer die die Welt nicht braucht

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    • Messer die die Welt nicht braucht

      Man hat ja schon so einiges zu Hause rumliegen. Mir ist letztens beim Aufräumen ein besonders gelungenes Designstück wieder in die Hände gefallen:

      ein CRKT Shakaulu, von Ken Onion entwickelt (wahrscheinlich unter Einfluss verschiedener anregender Substanzen).

      Ich durfte mal ein Review darüber schreiben. Das war so gut, dass ich das Messer behalten durfte ;)

      Habt ihr auch so optisch gelungene und gebrauchstüchtige Stücke bei euch herumliegen? Vielleicht bekommen wir ja eine nette Sammlung zusammen.

      Gruß

      Uli
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    • Das Onion Shakaulu war wohl der Versuch das Ulu modern zu interpretieren und ein Karambit ist halt ein Karambit mit bekannten Eigenschaften und natürlich gibt's da auch Anwendungen dazu, auch wenn diese sich nicht jedem erschließen.

      Wenn´s um Messer geht, die die Welt braucht, sind wir bei Besteck-, Küchen- und sonstigen Berufs- bzw. Handwerksmessern, Erntewerkzeug usw. - alles drüber hinaus und auch die meisten Messer hier in der community sind eher "nice to have". Aber: Wie langweilig wäre die Welt, wenn es nur ums brauchen ginge? :greensmile: Zum Thema brauchen empfehle ich im übrigen jedem mal eine Unterhaltung in einer Jägerrunde ... :greenugly:

      Viele Menschen in tropischen Gebieten besitzen genau eine einzige Machete, mit der sie ihre täglichen Aufgaben bewerkstelligen - Jagen, Fischen, Ernten, Unterkunftbau, usw. Bei Polarvölkern ist es oft nur ein billiges Fleischermesser mit Plastikgriff, mit dem "alles" erledigt wird. Und diese Menschen brauchen tatsächlich Messer. Ich denke mit Messern verhält es sich wie mit allen anderen Gegenständen: ein Lada bringt mich auch von A nach B, man "braucht" keinen Mercedes. Für viele ist aber der Benz schon cool und komfortabel und herzeigen kann man ihn auch! Wer Wild aufbrechen kann, der kann das halt - mit einem Opinel genauso wie mit einem handgeschmiedeten Fixed im vierstelligen Preisbereich ... mit "brauchen" kommt man da kaum weiter.

      Die andere Seite, die Uli glaub ich aufzeigen will, sind die übertriebenen, funktionslosen, gezwungen aussehenden Gestaltungsmerkmale am Messermarkt. Oft hat man den Eindruck, da wollte jemand mit Gewalt was anderes machen, egal ob dies funktioniert oder Sinn macht. Bei manchen Designs muss man die Anwendung dazu noch erfinden und dann dem Kunden so verklickern, das ein Kaufwunsch entsteht. Es muss halt immer auch eine Konsumgesellschaft bedient werden, die nach Neuem verlangt. Das ist bei Stahl, Griffen, bei Klingen- und Grifformen überall das gleiche - vernünftige Anwendung, Brauchbarkeit oder gar Notwendigkeit sind leider oft keine Argumente - Verkaufbarkeit bzw. Absatz zählt und dies bei Fabriksware genauso wie bei "handmades".

      Selbst traditionsreiche Solinger Betriebe haben sich in manchem Jagdmesser an Brauchbarkeit selbst übertroffen, in dem sie als Handschutz bzw. Parierelement einen gegen die Finger gerichteten Haken (Flaschenöffner) verbaut haben. Oder auch renommierte amerikanische Firmen wie Spyderco, wo die Klingen top poliert bzw. satiniert waren, die Platinen (genau dort wo ich schlecht zum Trocknen/Reinigen hinkomme) aber so grob bearbeitet, dass sich nach ein paar Tagen am Meer Rost bildete. Oder man erínnere sich an die alten Striders - fette Titanframelocks, die aber trotzdem nach ein paar hundert Öffnungsvorgängen zu wackeln begannen und einen fürchterlich unergonomischen, eckigen Griff hatten... :greenbiggrin: was war das für eine Sensation, wenn mal einer eins hatte ohne vertikales Klingenspiel und wem der Griff nicht passte, war ein Weichei.

      Wenn man die Latte für "brauchen" so tief legt, dass optimale Funktion nicht im Vordergrund steht, werden auch funktionelle Fehlkonstruktionen tatsächlich gebraucht - zum Habenwollen, Herzeigen, Sammeln, Spielen ... :greenugly:

      Bin schon gespannt, was da noch kommt ... :greenbiggrin:

      Beste Grüße, Claus
      Nie kann zuwenig sein, was genügt ...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von enrico ()

    • Uli, das Teil ist nicht zu toppen...! Aufgrund der erschlagenden Blau-Kombination vermute ich bei den anregenden Substanzen, Poppas mit gehackten Zwiebeln..... :evil:

      ...WTF!.... das obere von Heiri ist auch nicht schlecht....

      ....und ein wunderbares "Kurz-Essay" von Claus, alles zusammen genau das Richtige zum Morgen-Kaffee.

      grinsende Grüsse :greenbiggrin:
      8|

      messerboll.net
      messerboll@gmail.com
    • So ein Wichtelpaket hätte sicher etwas :)

      @enrico

      Vielfalt und Diversität belebt sicher das Geschäft und auch das Forum hier. Ich habe auch viele Messer, die ich wahrscheinlich nie benutzen werde und die ich auch nur aus ästhetischen Gründen gekauft habe. Insofern sind die natürlich auch "über"

      Das Shakaulu Schätzchen kommt halt krampfhaft bemüht rüber, als eierlegende Wollmilchsau zu erscheinen, ohne die Basiseigenschaften eines Schneidwerkzeugs zu erfüllen. Ein nettes Detail noch dazu - der Stahl hat satte 8mm Stärke, was zu einem entsprechend günstigen Schneidwinkel führt :). Der Aufbrechhaken ist nutzlos, weil man das Stück gar nicht so halten kann, dass er wirksam eingesetzt werden kann, zumindest machen das meine Handgelenke nicht mit.
      Aber es ist halt von einem rennomierten Designer und wurde auch entsprechend agressiv beworben.

      Ich habe noch eine alten Werbetext gefunden - das Messer ist unverständlicherweise nicht mehr im Programm:

      Ideal for field dressing, the Shakaulu Fixed Blade Hunting Knife from CRKT is a fixed-blade skinner with a textured ergonomic handle, a plane edge, and a powder coat finish. The 65MN carbon steel blade combines the design of an ulu palm knife and scraper with a cleaver. The rounded Razor-Sharp skinning blade is 5.5" long with a high convex grind and a gut hook on the tip. The Shakaulu can be gripped on top of the blade like an ulu, or on the handle for use like a cleaver.


      Razor-sharp - ich würde den Texter gerne mal eine Rasur mit der Klinge machen lassen. Ideal for field dressing - aber nur wenn man mit dem Pick-Up bis zum erlegten Tier fahren kann, das Messer wiegt fast ein Pfund.

      Vielleicht grabt ihr ja noch etwas Nettes aus.

      Gruß

      Uli
    • droppoint schrieb:


      Ideal for field dressing, the Shakaulu Fixed Blade Hunting Knife from CRKT is a fixed-blade skinner with a textured ergonomic handle, a plane edge, and a powder coat finish. The 65MN carbon steel blade combines the design of an ulu palm knife and scraper with a cleaver. The rounded Razor-Sharp skinning blade is 5.5" long with a high convex grind and a gut hook on the tip. The Shakaulu can be gripped on top of the blade like an ulu, or on the handle for use like a cleaver.

      Das ist genau der Krampf, wo irgendwer das Rad neu erfinden, möglichst viele Funktionen vereinen und eben durch Marketing-Blabla dann noch den Käufer davon überzeugen will, dass er genau das braucht zum Glücklichsein .....ein großer Verlust, das es aus dem Programm kam! :greenugly:

      Eine absolute Empfehlung in dem Sektor sind T.O.P.S., zB der hier: smkw.com/tops-tom-brown-tracker-digger :greenshocked:

      Bitte nicht falsch verstehen, TOPS hat durchaus brauchbares im Programm, aber gefühlt das meiste ist einfach nur verkrampft "anders" - dort ein Rille, da eine Kerbe dazu, Bohrungen irgendwo um der Bohrung wegen, Designs für Comic-Helden... Naja, jeder wie er will.

      Hab´ grad entpannt mit meinem Boll-Folder gefrühstückt, alles wird gut :greenbiggrin:

      Gruß, Claus
      Nie kann zuwenig sein, was genügt ...
    • Moin,

      vermeintliche Fehlentwicklungen sind unabdingbarer Teil jeder Evolution.

      Ein bisschen Schmunzeln musste ich über den topstombrowntrackerdigger schon. Aber wer weiß, vielleicht gibt es jemanden, der genau das Messer für eine bestimmte Anwendung braucht oder es weiterentwickelt und plötzlich haben wir ein Messer mit aufrechtem Gang. Ich bin für abgefahrene Entwürfe und Fehlentwicklungen (...zumindest solange das wirtschaftliche Risiko ein anderer trägt...).

      Grüße

      Friedrich
    • Im Senckenberg Museum in Frankfurt, ich meine im EG, hinterer Saal, gibt es Elefanten mit drei Stoßzähnen zu sehen. Eine Blüte der Evolution. Sie hat nicht lange geblüht.
      Das CRKT Shakaulu ist wohl eine vergleichbare Blüte des Kapitalismus, mit ähnlichem Werdegang.

      Grüße, Jens
      "Nun denn, M. Endymion. Schlafen Sie gut."
    • Servus allerseits,

      ein sehr unterhaltsamer Thread, und zwar im besten Sinne. :thumbup:

      Letztlich könnte ich einige Messer meiner Sammlung hier zeigen, z.B die eigentlich tolle Böker Turbine, deren Stahl aber leider keinen Schuss Pulver taucht. Es sei denn, man taucht. Mit einem Klapper... Oder den DPx HEST Folder, der wie ein 50-Tonnen-Bagger aussieht, aber eher in den Sandkasten gehört.

      Der Höhepunkt ist aber sicher dieses herrliche Karambit von Quartermaster, Review siehe hier. Aber auch da gibt es letztlich Positives zu entdecken.



      Und es gibt auch Überraschungen wie z.B. das Böker Bobbi, das völlig überdimensioniert aussieht, aber genial zu handhaben ist. Oder das simple Dozorme Capucin, mein erstaunlicherweise (oder doch nicht?) meist genutzter Klapper.

      Wie Claus schon schreibt, vieles ist eine Frage der Perspektive.

      Viele Grüße
      Marc
      Früher war alles besser. Ich auch.
    • TheLem schrieb:


      Auch die Kydex steht dem Messer in nichts nach
      Die Kydex ist der absolute Hit, vor allem die praktischen Flügelmuttern... trägt ja nicht auf unterm Hemd :D . Die
      hätte ich letztens gut brauchen können, als mein Katzenkännel zerfallen ist... mit so ner praktischen Scheide hätte ich gleich ne Reparaturlösung gehabt 8o :whistling:
      Gruß Gerd
      ... und immer einen ungeschälten Apfel in der Tasche! :thumbup: