Empfehlung für rostfreien Stahl?

    • Empfehlung für rostfreien Stahl?

      Hallo,

      ich habe bisher alle meine Messer aus 1.2842 gemacht, möchte aber nun auch mal was rostfreies ausprobieren...

      Da ich gerne alles selber mache, also auch das Härten, wäre mir sehr an einer Empfehlung für einen rostfreien Stahl gelegen der sich recht unkompliziert härten läßt.
      Bei der Vielzahl von Angeboten und Härteanleitungen ist mir schon ganz schwindelig geworden.
      Härtefolie und Abkühlen zwischen Aluplatten bekomm ich sicherlich noch hin, bei Trockeneis hört es dann aber auf...
      Außerdem schleicht sich immer so ein Gefühl ein das man, aufgrund unzureichender Informationen, Schrott kauft und viel Zeit und Arbeit verschwendet.

      Mir ist klar das es Eierlegende Wollmilchsäue nicht gibt, und man keine Pulverstähle in der Hosentasche härten kann.
      Aber vielleicht hat ja Jemand einen Tip für ein gutes Mittelmaß.

      Danke schon mal,

      Gruß,

      Bernd
    • Hallo Bernd,

      Die meisten rostfreien Stähle verhalten sich recht ähnlich beim Härten. Auch wenn Du es nicht gerne hörst - alle rostfreien Stähle sollten tiefgekühkt werden, um ihr volles Potenzial entfalten zu können. Da kannst Du dann auch gleich einen richtig guten Stahl nehmen.

      Ich verwende gerne Damasteel oder RWL34.

      Am Besten versuchst Du, bei einem erfahreneren Messermacher mit zu härten. Da kannst Du dann alles erfahren und anschauen. Dazu solltest Du angeben, wo Du wohnst.

      Das mit dem Trockeneis habe ich früher oft gemacht. Das ist weder schwer, noch besonders gefährlich. Und Trockeneis gibt es viel einfacher zu kaufen, als viele denken. In letzter Zeit nehme ich allerdings Flüssigstickstoff.

      Ich habe mit Härteschutzlack statt Folie recht gute Erfahrungen gesammelt. Ausnahme: M390.

      Ergo: Mach es lieber gleich richtig, statt einen tollen Stahl nur zu 50% auszunutzen, denn dann kannst Du gleich China-Qualität nehmen.

      Viele Grüße

      Gerhard
      GEHAWE.DE
    • Hallo Bernd,
      normalerweise verarbeite ich auch nur ``rostende``Stähle.
      An rostfreien/trägen Stählen hab ich bisher nur den 4034 und N690 selbst gehärtet.
      Der N690 hat allen meinen Erwartungen entsprochen, den gibt's übrigens auch
      in sehr dünnem Rohzustand zu kaufen. ( zB. bei Stefan Steigerwald )
      Dünne lange Klingen aber bitte nur hängend härten bzw. erhitzen - bei über 1000Grad
      biegt sich sonst der Stahl sehr schnell.
      halt uns, am besten mit Fotos, auf dem Laufenden!

      PS.: Trockeneis gibt es zB. bei meinem Trockeneisstrahler und bei ibäh zu kaufen, in Verbindung mit Spiritus wird das Zeugs ganz schön kalt.
    • Bei uns in der Nähe von Stuttgart gibt es ein Sauerstoff-Werk. Die haben alle Arten von Gase. Da bekomme ich eine Leihkanne mit 10 oder 20l Stickstoff verkauft. Den Stickstoff hole ich ab und bringe ihn dann morgens in die Firma und härte dann dort mit Hilfe unseres Härte-Ofens.

      Ich kaufe den Stickstoff auf meinen privaten Namen, könnte ihn aber auch über die Firma laufen lassen, wenn nötig. Ist also eigentlich kein Problem.

      Ich denke, es gibt viel mehr Anbieter von technischen Gasen, als die meisten Leute denken. Wird viel für Schweißtechnik benötigt.

      Übrigens: Ich stelle die nächsten Tage wohl mal ein Messer hier ins Forum. Das habe ich in mehreren Zyklen gehärtet. Ist jetzt 5 mal angelassen und hat immer noch 65HRC(!). Das geht nur mit Tiefkühlen und einer vernünftigen Wärmebehandlung. Ist übrigens aus RWL34.
      GEHAWE.DE
    • Hallo Bernd,

      Mein Standard rostfreier ist SB-1 den ich auch von Jürgen Schanz beziehe. Ich benutze auch Crucible CPM S35VN, den wirst Du allerdings in D nicht bekommen (USA Eigenimport).
      Beide lasse ich entweder bei Jürgen Schanz oder Wolf Borgen härten
      Wie oben schon erwähnt gibt es imho keine großen Unterschiede zwischen eine einfach zu härtenden und einem kompliziert zu härtenden rostfreiem Stahl.
      Ich habe z.B. keinen Ofen und werd mir in naher Zukunft auch keinen kaufen (mir fehlt der Platz). Also lasse ich dies diejenigen machen die das können auch wenn dann ein Schritt in meiner Fertigungstiefe fehlt.

      Gruß

      Roland
      Ancora Imparo

      Es ist besser eine gute Entscheidung rechtzeitig zu treffen als eine sehr gute zu spät.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Holzbieger ()

    • Danke für den Input!

      Irgendwie war mir schon klar das man rostfreie Messer nicht mehr im Affekt machen kann.
      Da scheint es ja von Vorteil zu sein Untermieter in einer Autowerkstatt zu sein die auch trockeneisstrahlen anbietet. :)
      Erfordert dann in Zukunft mehr Koordination... Eis dazu bestellen etc..

      Jetzt gilt es abzuwägen ob man überhaupt noch selbst härten, oder das ganze auslagern sollte.
      Zumal ich wenig Lust habe mir die Ergebnisse stundenlanger Arbeit beim Härten zu vernichten.
      Wie Gerhard schon gesagt hat: "Mach es lieber gleich richtig, statt einen tollen Stahl nur zu 50% auszunutzen...."

      Ich hab hier noch ein wenig Böhler N695 (1.4125 / 440C) Rohmaterial rumliegen, wird wohl Zeit den mal auszuprobieren.... und dann zu entscheiden...

      Gruß,

      Bernd
    • Holzbieger schrieb:

      Hallo Bernd,

      Mein Standard rostfreier ist SB-1 den ich auch von Jürgen Schanz beziehe. Ich benutze auch Crucible CPM S35VN, den wirst Du allerdings in D nicht bekommen (USA Eigenimport).
      Beide lasse ich entweder bei Jürgen Schanz oder Wolf Borgen härten
      Wie oben schon erwähnt gibt es imho keine großen Unterschiede zwischen eine einfach zu härtenden und einem kompliziert zu härtenden rostfreiem Stahl.
      Ich habe z.B. keinen Ofen und werd mir in naher Zukunft auch keinen kaufen (mir fehlt der Platz). Also lasse ich dies diejenigen machen die das können auch wenn dann ein Schritt in meiner Fertigungstiefe fehlt.

      Gruß

      Roland


      Servus beieinander, servus Roland!

      Möchte hier noch ergänzen, daß man den CPM S35VN auch in D bekommt.
      Darf man hier verlinken?

      Liebe Grüsse
      Canesplitter
    • Dann habe ich wieder was dazugelernt.

      Laut Crucible homepage ist der alleinige Importeur außerhalb NA die Firma Zapp

      "For our premium line of CPM® products outside of North America contact our licensed distributor Zapp Materials Engineering at www.zapp.com"

      Zapp führt laut eigener Webseite eine große Auswahl an CPM Stählen allerdings nicht CPM S35VN. Da habe ich meine Information her.
      Ich habe allerdings auch noch nicht versucht herauszufinden ob Zapp überhaupt "Kleinmengen" an Messermacher verkauft, ich glaube eher nicht.

      Ich habe diesen Stahl bisher immer direkt in den USA gekauft und zwar hier --> NJ Steel baron
      Aldos' Geschäft ist nur knapp 10 km von meiner Firma in den USA entfernt so habe ich ich meist auf Dienstreisen eingedeckt. Keine Versandkosten und auch kein Zoll.
      Ich habe mit einmal schicken lassen, 2 Stück 3,5 x 50 x 900 das hat mich der Zentimeter inclusive Versand und Zoll ca. 1,6 € gekostet (heutiger Dollarkurs). Das ist etwas weniger als der cm-Preis bei Herrn Müller. Ich nehme mal an dass Herr Müller den Stahl so wie ich in den USA bezieht und hier weiter verkauft.
      Derzeit würde dieser Stahl in bei Aldo direkt ca die Hälfte kosten ca. 0,85 Eurocent wieder bezogen auf den heutigen Dollarkurs.

      Gruß

      Roland

      P.S Der Eigentümer von NJ steel baron - Aldo Bruno - is ein netter Kerl. Er hat mir eine ausführliche Tour durch seinen Laden und Lager gegeben.
      Ancora Imparo

      Es ist besser eine gute Entscheidung rechtzeitig zu treffen als eine sehr gute zu spät.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Holzbieger ()

    • Niolox (Achim Wirtz) bzw. Becut (Nordisches Handwerk) sind für mich die Eierlegende Wollmilchsau, wenn es rostfrei sein soll. ICH kann auch für mich beim besten Willen keinen Grund erkennen, warum ICH einen anderen rostfreien Stahl bräuchte. Der Niobstahl bietet mir alles was ich brauche: Hohe Schärfe, gute Verschleißfestigkeit, gute Rostbeständigkeit. Außerdem ist er nicht teuer und relativ gut verfügbar.

      Natürlich kann man mit CPM Stählen mehr Eindruck "schinden". Aber aus meiner Erfahrung ist das PM Zeugs mehr Gimmick als Realitätsbezogen. Das mag jedoch jeder anders sehen.
      When you select a knife by looking at the handle you are looking at the wrong end of the knife.
      A lot of people get married that way but thats another story.

      - Sal Glesser
    • xplicit86 schrieb:

      Niolox (Achim Wirtz) bzw. Becut (Nordisches Handwerk) sind für mich die Eierlegende Wollmilchsau, wenn es rostfrei sein soll. ICH kann auch für mich beim besten Willen keinen Grund erkennen, warum ICH einen anderen rostfreien Stahl bräuchte. Der Niobstahl bietet mir alles was ich brauche: Hohe Schärfe, gute Verschleißfestigkeit, gute Rostbeständigkeit. Außerdem ist er nicht teuer und relativ gut verfügbar.
      Das stimme ich dir voll zu zumindest was Niolox/SB1 betrifft. Zu Becut kann ich keine Aussage machen, hab ich noch nie verwendet.
      CPM S35VN ist ebenfalls ein mit Niob legierter Stahl und für mich vergleichbar mit SB1, lässt sich allerings etwas einfacher finischen. Würde ich mir derzeit diesen Stahl bei Aldo bestellen? Nein ich komme hier ja SB1/Niolox. Falls ich allerdings wieder mal nach NJ komme bringe ich mir bestimmt wieder etwas mit. Dort gekauft ist er ist im Preis vergleichbar mit SB1. Da ich viele meiner Messer in den USA untergebracht habe (Kollegen, Freunde) ist ist das für mich durchaus ein "Verkaufsargument". Ein Messer handmade in Germany mit Stahl from good old USA. Die stehen auf sowas.

      Gruß
      Roland
      Ancora Imparo

      Es ist besser eine gute Entscheidung rechtzeitig zu treffen als eine sehr gute zu spät.
    • Ich sehe auch den Niolox/Sb1 vorne. Habe auch schon einige Klingen daraus gemacht auch wenn ich eher der C-Stahl Fraktion angehöre. Allerdings läßt sich beim Niolox noch immer deutlich Potential rausholen, wenn man ihn bei Vollmond in Zwergenblut härtet. :P
      Gruß Thomas
    • @'wberlin:
      so dramatisch wie du dir das vorstellst ist das Härten von rostfreien Stählen nicht. (N690, AEB-L und SB1)
      Ich habe das bisher auch nur 2x gemacht, und hatte davor tierisch Respekt.

      Die Temperatur findest du wie bei deinen C-Stählen im jeweiligen Datenblatt, das kennst du schon.
      Deinen Ofen kannst du schon bedienen, also Haken daran setzen.
      Das einzige neue ist der Umgang mit der Härtefolie (so schnell wie man da einen Umschlag gemacht hat, so schnell schaust du gar nicht) und das Trockeneis.
      Das macht dir ja anscheinend den meisten Kopf. War bei mir auch so.
      Bis ich dann mit meiner Kühlbox zu einem Trockeneis-Sandstrahler marschiert bin, und der die für 5 Euro voll gemacht hat. Klinge in Ofen, heiß machen, raus holen, Umschlag weg, abschrecken und statt in Ofen halt in die Kühlbox stecken. Da ist echt NIX dabei. Da musst auch nicht hetzen oder so, das Trockeneis hält sich ewig. Da brauchst du keine Autowerkstatt oder sonst was. Nur ne Kühlbox oder ne Styroporkiste.

      Mach einfach mal. Wirst sehen, ist viel einfacher als du dir das vorstellst.

      Solltest du aus der Gegend um Ingolstadt kommen: wir können gerne einmal zusammen härten.

      Grüße,

      Marco
    • @Roland

      Roland, man ja kann nicht immer alle Quellen und Lieferadressen kennen. Ich bin auf Müller nur gestossen, weil ich mich sehr für Jagdmesser interessiere.
      Wenn Du die Möglichkeit hast, bei Aldo Bruno einzukaufen, bring Dir halt mal W2 mit, daraus machen die Amis ja viel mit Hamon. Obwohl wahrscheinlich ein 1.1545 genauso geeignet ist.

      @Bernd
      Ich konnte mal einem Profi-Messermacher zusehen, wie er völlig unkompliziert den N690 zwischen zwei dicken Alu-Platten
      gehärtet hat. Ich war dabei, als er im Anschluß die Härte geprüft hat 61 HRC - alles gut.

      Man soll aber das Potential der Tiefkühlung nicht unterschätzen. Gerade hochlegierte Stähle profitieren sehr davon.
      Insbesondere der SB1 will Tiefkühlung (Thema Restaustenit)!

      Da gibt´s schöne Sachen zum Nachlesen z.B. bei Verhoeven!

      Liebe Grüsse
      Canesplitter
    • Neben vielen der bereits genannten möchte ich den RWL34 von der Firma Damasteel aus Schweden hinzufügen. Lässt sich gut bearbeiten, nimmt Höhe Härten an und ist sehr schnitthaltig. Optimal mit Vakuumhärtung und Tiefkühlung. Habe den stahl aber auch schon mit Härteschutzlack in einem Stahlrohr in der Gassesse gehärtet. Angelassen bei 180 Grad ergab dann 60,8 HRC. Weiterhin ist er in sehr vielen Abmessungen lieferbar.

      Zu guter letzt, ich mag fast alles was aus Schweden kommt.
    • Holzbieger schrieb:

      Ein Messer handmade in Germany mit Stahl from good old USA. Die stehen auf sowas.
      Richtig, als Verkaufsargument mag das bei einigen - insbesondere den Amis - ziehen. Für MICH wären die Amis aber auch kein Maßstab (mehr). Da zieht so einiges, was bei mir Kopfschmerzen bereitet.

      Becut ist letztlich dem Niolox so ähnlich, dass die Unterschiede im Messerbau nicht auffallen dürften. Hat auch Niob, die Legierungsbestandteile sind allerdings etwas verschoben. Aber wie gesagt...no big difference. Ist jedoch etwas günstiger. Könntest du auch mal ausprobieren. Ich hatte dir damals den Niolox empfohlen und da er dir zu gefallen scheint, kann ich diese Empfehlung für den Becut gleichermaßen aussprechen.
      When you select a knife by looking at the handle you are looking at the wrong end of the knife.
      A lot of people get married that way but thats another story.

      - Sal Glesser