Gefunden: die Nadel im Heuhaufen

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    • Gefunden: die Nadel im Heuhaufen

      Hallo zusammen,
      ich freu mich so, dass ich euch unbedingt teilhaben lassen muss.
      Nachdem die Härterei in meiner aus Porotonstein gebauter Mini-Esse mit Gasbrenner mir neulich etwas Kopfzerbrechen bereitete (Ricasso war hart, an der Klinge und insbesondere der Schneide greifte die Feile wieder :dunno: ), war der Wunsch nach einem Härteofen wieder brandaktuell. Eigentlich will ich irgendwann so einen Evenheat, aber ohne Werkstatt ist mir der Geldeinsatz zu viel. Gebraucht sind die Brennofen meist in der Tiefe zu kurz, zu weit weg, zu teuer, in einem erbärmlichen Zustand oder einfach alles zusammen.
      Aber jetzt wurde ich fündig (siehe Anhang)!
      Es ist ein Heraeus (anscheinend MR 170), ziemlich alt aber in gutem Zustand, alles funktioniert, Brennraumtiefe: 30 cm, quasi vor der Haustüre und für einen schmalen Taler. :D Was will man mehr?!? Ach ja - beim Verkäufer hätte ich am liebsten die halbe Werkstatt aufgekauft. Irre, was da so alles rumstand.
      Jetzt hätte ich nur noch drei Fragen:
      1) Wenn ich den Härteofen auf Härtetemperatur vorheiz, wie lange sollte der Rohling (1.2842) denn drin verbleiben, bevor ich ihn abschreck? Materialstärke ist derzeit 3 mm.
      2) Das Anlassen findet bei mir im Küchenofen statt. Soll ich den auch vorheizen, dann das Messer reinlegen und die 1-2 Stunden warten oder das Messer auch während des Aufheizens drin haben?
      3) Wie wird nach dem Anlassen das Messer heruntergekühlt? Langsam im/außerhalb des Ofens oder mit Wasser "abschrecken"?
      Entschuldigt die Fragen, aber ich hab teilweise schon von unterschieldichen Vorgehensweisen gelesen. Ich wäre sehr dankbar, wenn mir jemand weiterhelfen könnte.

      Viele Grüße, Jörg
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Gerch ()

    • Hallo Jörg,
      da hast du wohl ein Schnäppchen gemacht :thumbup:
      Vor dem Härten empfiehlt sich ein Normalisieren der Klinge, vor allem dann wenn du auch schmiedest. Ich lege mein Härtegut kurz nach dem Anheizen in den Ofen. Ich nutze aber auch eine Gasesse, sollte aber keinen Unterschied machen. Beim Anlassen ist die Temperatur und die Haltezeit sehr wichtig damit sich das Gefüge entsprechend ausbilden kann. Da es hier für jeden Stahl entsprechende Angaben gibt du holst dir die Daten am Besten aus einem Tabellenbuch oder aus dem Internet. Abschrecken kannst du bedenkenlos in Wasser.

      Viele Grüße
      Alex
      Blood, Sweat and Musclecat!
    • Hallo Jörg,

      Super Teil das du da ergattert hast :thumbsup: .

      Wenn die Klinge auf Temperatur ist (Klingenfarbe = Farbe der Ofeninnenwand) halte ich den 1.2842 3 bis 5min auf Temperatur, vor dem Abschrecken in Öl (Ofen nicht mit Klinge aufheizen da Entkohlungsgefahr).
      Beim Anlassen heize ich zuerst den Ofen auf und lege dann die Klinge rein, damit ich eine definierte Zeit habe. Du weißt ja sonst nicht genau, wie lange die Klinge bei der gewünschten Temp. im Ofen war.
      Abschrecken in Wasser geht sehr gut.

      lg
      Ronald
    • Vielen Dank schon mal!

      Geschmiedet wird bei mir (noch?) nicht. Von daher entfällt das Normalisieren.

      Also meinen ersten Versuch werde ich, sollten keine Einwände kommen, so starten:
      - Härteofen auf gewünschte Temperatur bringen, Messer rein, wenn die Glühfarben identisch sind noch ca. 3 - 5 Minuten halten, dann ab ins vorgewärmte Öl
      - Küchenofen aufheizen, wenn die Temperatur erreicht ist: Messer rein und die gewünschte Zeit (je nach Datenblatt) abwarten. Anschließend mit Wasser abschrecken

      Ich werde vom Ergebnis berichten.

      Nochmals Danke!
      Jörg
    • Ich würde so vorgehen:
      * Rohling am Vortag mit Härteschutzlack bepinseln oder tauchen (stinkt sehr - gut lüften, oder draussen machen)
      * Küchenofen anheizen und Öl rein. Ich nehme gerne eine Sandkuchen-Form für das Öl. Wenn das Öl warm ist: Öl wieder rausnehmen.
      + Härteofen anheizen.
      Ziel der Übung ist, dass Härteofen und Anlassofen auf Temperatur sind, wenn es losgehen soll und das Öl auch auf Temperatur ist.

      Dann:
      * Rohling in den Härteofen. Ich nehme immer so 5min plus 1min je mm Dicke. Ich habe mir so "Kämme" aus Isoliermaterial gesägt, um die Rohlinge hochkant stellen zu können
      * Rohling im Öl abschrecken
      * Rohling in Wasser auf Raumtemperatur bringen
      * Bei Rostfreien: Richten und sofort tiefkühlen
      Bei C-Stählen oder nach dem Tiefkühlen: Sofort im Küchenofen anlassen.
      Die letzten 2 Schritte ggfs. mehrmals wiederholen.
      Ich würde den Rohling nach dem Abschrecken nicht lange rumliegen lassen, da sehe ich Rissgefahr.

      Grüße

      Gerhard
      GEHAWE.DE
    • Hallo, ich bin bei der Methode von GeHaWe, außer nach dem Abschrecken im Öl einfach an Luft bis auf Raumtemp. Weil wenn Du im 80 Grad warmen Öl abschreckst, dann kannst Du durchaus noch 20% Restaustenit haben. In der Martensitbildungsfase sollte man so langsam wie möglich abkühlen. Um Risse und Mikrorisse zu vermeiden. Perlit kann sich bei der Temp. nicht mehr bilden, für Bainit ist es auch schon zu kalt. Bleibt noch die Angst der Restaustenitstabilisierung, die ist aber auch nicht begründet, da das Kühlen an Luft ja auch nur ein par Min. dauert und sich in der kurzen Zeit der Restaustenit nicht stabilisieren kann.
    • Vielen Dank für die Antworten. Super, dass einem so nett geholfen wird.
      Ich werd es so wie von GeHaWe beschreiben einfach mal ausprobieren. Vielleicht, wenn ich mal zwei Messer habe, eins mit, eins ohne Wasserkühlung nach dem Abschrecken in Öl. Dann kann ich auch mal sehen, ob sich Unterscheide zeigen.

      Ich hätte da noch eine Frage:
      Ich möchte meine Messer im Härteofen nicht flach auf den Boden legen müssen. Wo kann ich so eine Art "Ständer" kaufen, dass ich meine Messer hochkant stellen kann?
      Bzw. die Frage speziell an Gerhard - was hast Du für ein Isoliermaterial dazu hergenommen?

      VIele Grüße, Jörg
    • Hallo Jörg,

      ich hab Löcher in einen Schamottstein gebohrt und dann Edelstahlstäbchen reingesteckt. Über die Stäbchen könnte man jetzt noch Keramik bzw. Tonröhrchen aus der Schießbude stecken um
      die Abstände bei Bedarf zu verkleinern, damit die Klinge immer möglichst sauber auf dem Rücken liegt.

      Grüße
    • Hallo Jörg,

      Bei uns in der Firma verwenden wir spezielles Keramik-Isoliermaterial für eine Sinter-Anwendung. Da lag es nahe, dieses recht weiche Material auf der Bandsäge zu schlitzen, so dass die Klingen längs mit der Schneide nach oben reinpassen. Da man so etwas aber nicht überall bekommt, hilft Dir das wohl nicht weiter.

      Viele Grüße

      Gerhard
      GEHAWE.DE
    • Möchte noch ergänzen, daß die Haltezeit beim Anlassen eher unwichtig ist. Deswegen wird sie von den Stahlherstellern
      meist nicht angegeben. Mit einer Stunde machst Du alles richtig.
      Die Anlaßtemperatur hat da den wesentlich größeren Einfluß auf Deine Zielhärte!

      Liebe Grüsse
      Canesplitter
    • Ich empfehle ganz klar, sich die jeweiligen Datenblätter zum jeweiligen Stahl aus dem Internet zu holen. Die gibt es für jeden Stahl und da steht alles ganz genau drinnen! (Mindesthaltzeit, Anlasstemperaturen, Härtetemperaturen, Weichglühtemperaturen und die jeweiligen HRC je nach Anlasstemperatur, weiters ob Öl-, Luft- oder Wasserhärter)
      LG
      Stephan
    • Was man bei älteren Härteöfen zumindest am Anfang mal machen sollte ist abchecken ob die eingestellte temperatur tatsächlich mit der im ofen herschenden "realen" temperatur übereinstimmt. Die Typ K Thermofühler halten zwar recht lange, aber die altern auch und registrieren dann ne abweichende temperatur. Dazu entweder mit nem externen themometer mit typ K fühler nachprüfen oder wenn man keines hat z.b ein stückchen feinsilber (nicht 925 sterling) in den ofen legen und nachschauen ob/wann das schmilzt. Schmelzpunkt feinsilber = 961,8°C. Feinsilber deshalb weil man bei legierungen nicht sicher sein kann was/wieviel der hersteller da alles zugegeben hat und dadurch der schmelzpunkt nicht mehr genau zu definieren ist. bei feinsilber hat man das problem nicht. Ein neues ersatz thermoelement kostet nicht viel und erspart einem so manche unangenehme überraschung beim härten im elektroofen.

      Üblicherweise fällt nach dem einbringen des härteguts die temperatur im ofen erstmal um etliche dutzend grad ,die steuerung braucht dann ne weile bis der ofen die eingestellte temperatur wieder erreicht hat, das ist ofenspezifisch und sollte bei haltezeiten ebenfalls berücksichtigt werden.

      als billiges digital thermometer hab ich gute erfahrungen mit dem TM902c gemacht, Trotz des niedrigen preise recht exakt und kalibrierbar(wenn mans aufschraubt gibts da 2 potis)allerdings sollte man da ein anderen fühler benutzen (Mantelthermoelement) ,die stecker sind genormt.
      ebay.de/itm/Temperaturmessgera…2c5a59:g:dTAAAOSwr2ZZm-GY

      Mantelthermoelemente Typ K gibts z.B hier:
      sensorshop24.de/temperaturfueh…-miniaturstecker/a-96791/
    • Also erst mal ganz herzlichen Dank für die vielen Tipps und Ratschläge. Toll!
      Ich werde versuchen so viele wie möglich zu beherzigen und werde dann natürlich vom Ergebnis berichten.

      Aber bevor ich wieder zum Härten komm, heißt es erst mal Feilen und Schleifen.

      Nochmals vielen Dank für die Ratschläge. Fränkische Grüße,

      Jörg