Practical Knife - Testbericht

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    • Practical Knife - Testbericht

      Technische Daten:

      Gesamtlänge: 210m
      Klingenlänge: 98m
      Klingenstärke: 2,2mm
      Klingenstahl: 1.2442 (61-62 HRC)
      Griff: Maserbirke





      Erster Eindruck:

      Als erstes nach dem auspacken fiel mir die schöne Lederscheide auf. Sie ist top verarbeitet und das Messer sitzt darin ähnlich fest wie ein Messer in einer Kydex. Das Messer rastet beim einstecken quasi in eine feste Position ein. Das hat mir richtig gut gefallen und ich kannte das von Lederscheiden so bisher auch noch nicht. Was einem an der Scheide natürlich sofort auffällt ist das gelbe Paracord. Vermutlich kann man dieses als Handschlaufe nutzen oder die Scheide damit am Rucksack oder anderer Ausrüstung befestigen, ich persönlich habe das aber nicht genutzt. Auch das es keine Gürtelschlaufe gibt empfinde ich im ersten Eindruck zunächst eher positiv da es einfach perfekt zum Gesamtbild des Messers passt. Mein erster Eindruck zur Scheide: für mich perfekt und nichts zu beanstanden.

      Nun also zum Messer. Was mir hier sofort auffiel, nach dem ziehen, war die gut sichtbare Patina die sich auf der Klinge gebildet hat. Und hier nun mein Geständnis: Das war mein erstes Messer aus 1.2442. Ich hatte vorher keinerlei Erfahrung mit diesem oder ähnlichem Stahl. Dementsprechend war ich von der Patina natürlich richtig beeindruckt. Nach bewundern der schönen Patina fällt einem der geölte Griff aus Maserbirke auf. Neben dem urigen Erscheinungsbild liegt er super in meiner Hand (Größe 8,5). Mein erster Eindruck zum Messer: schönes uriges Messer was aufgrund der schmalen Klinge vermutlich ein kleiner Schneidteufel ist.





      Orange schälen:

      Nachdem ich mir nun einen ersten Eindruck verschafft habe wollte ich das Messer natürlich direkt benutzen. Kurz überlegt was ich zerschneiden kann und direkt mal für eine Orange entschieden. Beim schälen der Orange bestätigt sich sofort was ich im ersten Eindruck vermutet habe. Das hier ist ein Schneidteufel, der wohl jegliches Essen ohne auch nur mit der Wimper zu zucken zerlegen wird. Beim schneiden der Orange nehme ich beiläufig einen seltsamen Geruch war den ich aber zunächst nicht weiter für voll nehme (mehr dazu später).





      Arbeiten in der Küche:

      Noch mächtig begeistert wie leicht sich die Orange von ihrer Schale trennen ließ beschließe ich direkt noch das Gemüse für die Hühnersuppe zu zerkleinern. Das Messer gleitet wie Butter durch die Karotten und in wenigen Minuten ist alles artgerecht zerkleinert. Die 2.2mm dünne Klinge spielt hier ganz klar ihre Stärken aus. Mein bisher sehr positiver Eindruck von dem Messer wird nur noch mehr bestätigt. Es ist eine wahre Freude mit dem Messer essen zuzubereiten.

      Auch beim schneiden von Lauch schlägt sich das Messer besser als einige meiner Küchenmesser. Durch die gute Schärfe die das Messer noch hat schneidet es den Lauch natürlich auch problemlos, selbst die äußere Lauchschicht die wenn man ein nicht mehr perfekt scharfes Messer nutzt gerne als geschlossene Fläche auf dem Brett zurück bleibt wird mit jeden Schnitt ohne viel Druck ausüben zu müssen gleich mit zerschnitten. Erwartungen weiterhin also mehr als erfüllt.



      Brot schneiden:

      Ok wie sieht es denn mit Brotschneiden aus. Bewusst wähle ich ein Baguette was von außen etwas krosser ist. Meine Erwartung hier das es vermutlich nicht ganz so leicht sein wird das Baguette in Scheiben zu schneiden. Also einfach mal angefangen Scheiben zu schneiden. Hier fällt wie erwartet natürlich auf, dass es nicht ganz so leicht von der Hand geht. Aber mit leicht erhöhtem Druck und ziehenden Schnitten ist es eigentlich kein Problem das Baguette zu schneiden. Auf dem Bild mit dem komplett in Scheiben geschnittenen Baguette sieht man an den angefallenen Krümeln ganz gut das ich die linke Hälfte mit einem gezackten Brotmesser und die rechte mit dem Practical Knife geschnitten habe. Aber bis auf die erhöhte Krümelanzahl sieht man an den geschnitten Scheiben keinen Unterschied. Aus meiner Sicht also auch hier, das Messer ist durchaus geeignet härteres Brot zu schneiden.





      Outdoor Einsatz:

      Doch ich habe in den vier Wochen nicht nur essen damit bearbeitet nein auch draußen wollte ich das Messer testen. Ich besitze aktuell nur Messer mit einer Klingenstärke von 3mm oder mehr. Also klar Küchenmesser auch weitaus schmaler aber Messer die mit mir das Haus verlassen sind eben meist dicker. Dementsprechend war ich zunächst etwas Verhalten wie es sich wohl beim Schnitzen schlagen wird. Die Erwartung hier das es vermutlich auch ein Schneidteufel ist aber ich hatte irgendwie eine Art Angst das es sich vielleicht verbiegt wenn es sich tief ins Holz frisst. Klar wie ihr mit mehr Erfahrung vermutlich wisst war das völlig unbegründet. Warum auch sollte es sich beim Schnitzen verbiegen nur weil die Klinge etwas dünner ist als ich es gewohnt bin. :D
      Beim Schnitzen fühlt sich das Practical Knife richtig wohl. Das geht dermaßen leicht von der Hand das ich schon leicht schockiert bin und es wohl mal Zeit wird mir auch mal etwas dünneres zuzulegen. Ich habe ohne Probleme einen ca. 3-4cm dicken Stock von den kleinen Ästen befreit und angespitzt alles ohne Probleme. Der Griff lag dabei super und fest in meiner Hand. Dementsprechend habe ich auch keinerlei Hotspots bei mir festellen können.

      Nach ca. 2 Wochen fast täglichem Benutzen hat das Messer noch absolut top geschnitten und war auch noch gut scharf. Rasiert hat es natürlich nicht mehr, aber nur ein paar mal übers Leder und auch die Haare am Arm sind wieder geflogen. Das Messer so leicht und schnell wieder auf so eine Schärfe zu kriegen hätte ich nicht erwartet und ist ein weiterer Pluspunkt aus meiner Sicht.



      Fazit:

      Nach dem vierwöchigen Test bin ich schwer beeindruckt. Zum einen hat mich die Handlage und die gesamte Form des Messers begeistert. Es ist aus meiner Sicht ein perfekter Begleiter ob im Haus oder auch draußen. Jegliche Aufgabe für die ich es verwendet habe hat es ohne viel Mühe gemeistert und das wichtigste dabei, es hat Spaß gemacht. Es gibt allerdings auch eine Kleinigkeit die mir wie eingangs geschrieben aufgefallen ist auf die ich jetzt noch zu sprechen kommen möchte. Ich habe in den vier Wochen sehr viel Obst (Äpfel und Zitrusfrüchte) geschnitten. Was am Anfang von mir nur beiläufig registriert wurde, wurde immer stärker: der Geruch.

      Der Stahl - Geruch:
      Unwissend wie ich war/bin habe ich mich gewundert wieso die Klinge anfängt zu riechen ja teilweise wirklich stark zu stinken wenn ich Obst schneide. Aber auch nur bei Obst. Beim Gemüse oder Wurst schneiden war davon gar nichts zu merken. Nach etwas Suche im Internet habe ich dann gelesen das es wohl ganz normal ist bei diesem Stahl und das es wohl auch nur auftritt bei Lebensmitteln die einen bestimmten PH-Wert haben. Obst und im speziellen Zitrusfrüchte liegen wohl genau in diesem Bereich wo der Stahl und die Patina damit reagieren und diesen Geruch erzeugen. Da ich vorher ja noch nie mit diesem Stahl in Berührung gekommen bin war das für mich neu aber auch interessant zu erfahren. Wenn es für mich also etwas an dem Messer gibt was mir negativ aufgefallen ist dann der Geruch beim schneiden von Obst der wirklich immer heftiger wurde aber nicht so stark das ich das Obst nicht mehr essen wollte. Auch hatte ich beim Obst teilweise das Gefühl von leichtem Metallgeschmack, aber vielleicht war das auch nur Einbildung ausgelöst von dem Geruch.

      Nichtsdestotrotz bin ich von dem Messer begeistert und kann nur meine klare Empfehlung aussprechen. Ich denke auch jeder der sich für diesen Stahl entscheidet weiß über die Vorteile und Nachteile bescheid und für was man das Messer am besten einsetzt.

      Am Ende wollte ich noch Danke sagen dafür das ich an dem Passaorund teilnehmen durfte und natürlich an David Hölter für das Bereitstellen dieses tollen Messers.

      Instagram: @sys4tron
      To find yourself, think for yourself © Socrates 469 BC

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    • Ich kann mich nur anschließen: Toller Bericht.

      Die Sache mit dem Geruch tritt bei nicht rostfreien Stählen häufiger auf. Die Intensität hängt sicher von der Stahlsorte ab, aber prinzipiell gehört das so, bis sich eine stabile Patina gebildet hat. Dann sollte das vorbei sein. Schleift/Schärft man das Messer, beseitigt man die Patina in dem Bereich und der Geruch kehrt dort zurück. Je mehr Oberfläche wieder blank ist, desto intensiver. Und ja, man schmeckt das auch. Ein Apfel mit einem neuen "Rostenden" geschnitten, kann geschmacklich recht grenzwertig sein.
    • Immer eine Freude, die Berichte zu lesen und die Bilder zu betrachten :) Schon auffällig, dass das Messer durchweg gut ankommt.

      Wegen des Geruches: Probiere mal einfache C-Stähle (C60...) aus. Habe einige Flacherle. Wenn ich die abends auf dem Sofa bekrabbele und mein bisschen Handschweiß mit dem Erl in Berührung kommt, ruckt meine bessere Hälfte auffällig weg von mir. Da entsteht ein sehr aufdringlicher Eisen-Geruch. Zumindest denke ich, dass es daran liegt .... :whistling:
      "Wenn man sie kennt darf man getrost die Regeln brechen/ Weil die meisten doof sind, fällt's uns gar nicht schwer/ Nur wer mal aufgestanden ist, der darf sich setzen/ und darum bleiben hier so viele Stühle leer" LOVE A