Meine Schärfentwicklung und auch paar Tipps und Tricks für Anfänger vielleicht auch Fortgeschrittene

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    • Meine Schärfentwicklung und auch paar Tipps und Tricks für Anfänger vielleicht auch Fortgeschrittene

      Grüßt euch,
      wie ich schon in meinem Vorstellungsthread angeschnitten hatte, schleife ich seit gut 9 Jahren meine Messer und auch die von Freunden/ Bekannten freihändig auf diversen Schleifmedien. Die Entwicklung möchte ich euch etwas näher bringen, den ein oder anderen vor Fehlern bewahren und auch teils kleine Tipps geben. (nur noch kurz vorweg, das wird ein eher längerer Bericht, ich hoffe es bleibt trotzdem relativ interessant)
      Hier erstmal ein kleiner Überblick über meine derzeitigen Schleifsteine:

      Eines Tages waren mein Vater und ich etwas im Wald unterwegs, größtenteils Spazieren, Kirrungen kontrollieren usw., wir hatten aber schon bevor wir los sind den Plan eine Flöte zu schnitzen. Ich also mein Messer eingepackt und los ging es, zu dem Zeitpunkt war ich etwa 9 Jahre alt. Als es dann an das Schnitzen ging, klagte mein Vater über das komplett stumpfe Messer und dass das so nicht funktioniert. Wir also wieder nach Hause und in unsere Werkstatt, mein Vater hat ein Stück Sandpapier, vielleicht eine 320er Körnung, auf die Werkbank gelegt, etwas befeuchtet und das Messer in gleichmäßigen Zügen geschärft. Es hat keine 5 Minuten gedauert, da war er auch schon fertig und ich war absolut fasziniert, so ein scharfes Messer hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nie in der Hand. Ich wollte das auch unbedingt lernen, also gab mir mein Vater einen Spachtel, welchen ich dann solange schleifen sollte, bis er scharf ist (so habe ich nicht an einem guten Messer geübt -> kein Risiko), mein Vater hat mir dabei immer über die Schulter geschaut. Das ganze hat bestimmt 1 Stunde gedauert, aber so habe ich unter Anleitung die grundlegenden Dinge des Messerschärfens gelernt, z.B. was der Grat ist (auch wenn wir es damals nicht so genannt haben), wie man den Winkel hält, wann man fertig ist, usw.
      Das Feuer wurde damit entzündet und alle meine derzeitigen Messer sollten schön scharf werden, vorher begab ich mich aber auf YT um mir Tutorials auf Deutsch und Englisch über das Messerschärfen anzusehen (Ja, ich habe als 9 jähriger englische Messerschleifvideos angeschaut und davon nicht wenige. Das erklärt wahrscheinlich auch warum ich ein nahezu fehlerfreies Englisch besitze, ohne seit der 4. Klasse je ein Englischbuch in der Hand gehalten zu haben).
      Ich hatte mir daraufhin ein Stück Sandpapier genommen und auf die Rückseite Leder geklebt, dieses diente mir als Auflagefläche und Abziehriemen. Ich habe also vorne auf einem 320er Sandpapier mit Wasser geschärft und den Abrieb / die Schleifpartikel auf dem Leder verteilt um mir so etwas wie eine Polierpaste zu machen. Logischerweise ist aufgrund des Leders die Schneide immer ballig geworden, was ich damals nicht wusste und es der Endschärfe auch nicht geschadet hat. Rasiert hat es noch nicht, aber ein Blatt Papier war kein Problem.

      Schätzungsweise ein halbes Jahr später hatte ich mir Gedanken über ein richtiges Schärfsystem gemacht und stand vor der Wahl ob Freihand oder mit festen Winkeln. Ich habe mich aktiv gegen ein System mit festen Winkeln entschieden, da ich weiter freihändig schärfen wollte und so das handwerkliche Geschick weiter ausbauen konnte. Es wurde ein Lansky Tri-Stone, welcher anscheinend sehr unbekannt ist (kaum Reviews, Tests, usw...) . Es ist ein drehbares Schärfsystem, bei dem 3 verschiedene Körnungen zur Verfügung stehen. Eine grobe Diamantplatte, ein mittlerer Keramikstein und ein sehr feiner Keramikstein. Die Steine funktionieren enorm gut, sollten aber mit Öl, Seifenwasser, Scheibenreiniger, Desinfektionsmittel,...genutzt werden, da sie sich sonst enorm schnell zusetzen (bei dem sehr feinen nicht so dramatisch, bei dem mittleren leidet die Schleifgeschwindigkeit doch sehr). Mir hat schon von Anfang an der Formfaktor nicht gefallen, einfach zu klobig, jedoch wollte ich die Steine beim entfernen nicht zerstören. Mittlerweile, 9 Jahre später, habe ich den kompletten Halter in den Ofen gestellt (120°C für 15 Minuten) und schon wurde der Kleber unter den Steinen weich und man konnte sie vorsichtig entfernen. Die Diamantplatte habe ich entsorgt, da ich Diamant zum schärfen absolut hasse. Auf dem obigen Bild sind die beiden Steine oben rechts die, welche vom Lansky Tri-Stone kommen (braun und weiß).
      Mit dem Lansky System habe ich zum ersten mal eine rasierende Schneide hinbekommen und der weiße Keramikstein hat eine sehr schöne polierende Wirkung, welche optisch sehr ansehnlich ist.

      Wieder einige Jahre später hatte ich Lust mein Schärfwerkzeug zu erweitern. Für den kommenden Abschnitt ist es wichtig zu wissen, dass die Lansky Keramiksteine sogut wie garnicht verschleißen. Der braune minimal (0,5mm in 9 Jahren) und der weiße nichtmal 1/10mm.
      Durch Leos-Messerschärfseite bin ich auf den Shop Scherenkauf.de gekommen und die dort erhältlichen Taidea Steine. Als gut und günstig beschrieben. Ich hatte mir also den 240/800 Kombistein zusammen mit dem 5000er und einem King Nagura gekauft. Ums kurz zu machen, ja die Steine sind definitiv gut und günstig, jedoch auch recht weich. Der 240/800er verschleißt sehr schnell (schlämmt auch recht stark, traditionell japanisch) hinterlässt aber ein sehr hübsches und sauberes Schliffbild. Weil er so enorm weich ist hat er sich schnell hohl geschliffen, womit ich erstmal etwas überfordert war, weil meine Lansky Steine das nicht gemacht haben. Nachdem ich den Stein abgerichtet habe kam er in den Schrank und wurde durch einen wesentlich härteren Zische 220/400 Fepa (entspricht einer JIS Norm von etwa 360/1000) ersetzt. Den Zische Stein würde ich immernoch jedem empfehlen, der einen günstigen, sehr schnellen und harten Schleifstein sucht. Der Stein wird heute immernoch in meinem Standard-Schleifset verwendet (obere Reihe, dritter Stein von links).
      Der 5000er Taidea ist wesentlich härter als der gröbere Taidea. Immernoch nicht wirklich hart, aber ich hab in 6 jahren Nutzung "nur" etwa 6mm des 15mm Steins verbraucht. Er hinterlässt eine matte, nur leicht zerkratzte Fläche (zerkratztes Kasumi wenn man es so nennen möchte). Die Kombination Zische 360/1000 und Taidea 5000 wurde dann sehr lange genutzt, mit ihr konnte ich gleichbleibend scharfe Ergebnisse erzielen, Armhaare rasieren war mittlerweile auch absolut kein Problem mehr. Bei der Bestellung von Scherenkauf war auch ein Zische Silifix 120 dabei, ein Siliziumkarbid Schruppstein. Wird ausschließlich bei heftigesten Beschädigungen oder Winkeländerungen genutzt. Verschleißt schnell, frisst aber das Metall förmlich auf.

      Zwischendurch hatte ich einen 3000/8000 Kombistein von Taidea, welcher absoluter Müll war. Es soll ja Leute geben, die sehr weiche Steine bevorzugen, aber der Stein musste während des Schärfens abgerichtet werden und man konnte ganz locker in den Stein schneiden. Nicht mein Fall, verkauft. Aus Frust wurde der 8000er Taidea bestellt, welcher ein ganz anderes Kaliber ist. Enorm hart (einschneiden in den Stein nicht möglich), schlämmt nahezu nicht, hinterlässt ein feines Kratzerbild, jedoch ohne Spiegelpolitur. Ich denke auch, dass er eher in der 6000er Region anzusiedeln ist, da er meiner Meinung nach für einen 8000er einen Tick zu grob ist. Trotzdem ein top empfehlenswerter Stein.

      Es kamen in der Zeit auch ein paar Spielereien zu mir, wie ein Thüringer Schiefer, ein gelber belgischer Brocken aus 2014 (sehr klein, tut aber seinen Dienst) und mein kleines Heiligtum, ein gelber belgischer Brocken, welcher sicherlich einiges über 200 Jahre alt ist, dieser ist schon seit Ewigkeiten in der Familie und wird von mir nur enorm selten genutzt.
      Unten rechts auf dem obigen Bild ist meine Diamantabrichtplatte zu sehen, leider recht klein, aber dafür sehr günstig.
      Oben rechts ist ein Kombi-Ölstein von meinem Vater, habe keinerlei Infos dazu, vielleicht erkennt einer von euch den Stein.

      Erst vor 2 Jahren bin ich zu meinem jetzt genutzten Schleifset gekommen. Ich war mal wieder auf Leos Seite und im Nassrasur Forum unterwegs, dort ist mir der Zische Missarka Ultra Rot ins Auge gesprungen. Direkt bestellt, über die Preise von Zische kann man ja absolut nicht meckern. (obere Reihe, vierter Stein von links)
      Der Stein ist irgendwie ziemlich besonders, er hat ein Schiffbild eines japanischen 3000er Steins ,trägt aber Material nicht wirklich langsamer ab, als der 1000er Zische. Aufgrund seiner hohen Härte (fast wie Keramik) und der hohen Konzentration an Schleifpartikeln poliert der Stein nicht. Der Stein hat meinen 5000er Taidea vorerst in Rente geschickt, ich nutze ihn ab und an, jedoch besteht mein mittlerweile meist genutztes Schärfset aus dem Zische 360/1000 Kombistein und dem 3000er Missarka Ultra. Nur 3 Steine, sehr schneller Abtrag, sehr harte Bindung, super Ergebnisse, super Feedback,....hab nichts negatives zu sagen. Nur das Wässern ist ein kleiner Negativpunkt. (Alle bisher genannanten Steine von Taidea und Zische müssen gute 15 Minuten vor Nutzung gewässert werden.) Wenn es etwas mehr sein darf und für Touch-Ups wenn die Schneide minimal an Schärfe verloren hat nutze ich den weißen Keramik von Lansky. Glaubts oder glaubts nicht, ich konnte ohne Abziehriemen, direkt vom Stein weg Haare spalten, auch wenn es im Prinzip nur Spielerei ist, es war schon beeinduckend, wie stark sich meine Technik über die Jahre verbessert hat.


      Wer es bis hier her geschafft hat, dem wird wahrscheinlich aufgefallen sein, dass ich bisher nicht einmal über Abziehriemen und Polierpaste geredet habe. Dazu komme ich jetzt, da es dazu auch einiges zu sagen gibt.
      Wie oben bereits erwähnt bestand mein erster Abziehriemen aus einem Stück Leder, was ich immerwieder mit dem Abrieb des Sandpapiers bestrichen habe.

      Genau dieses Stück Leder sieht man ganz links. Das zweite ist ein Stück Ledergürtel mit Scherenkauf Siliziumkarbidpolierpaste, rechts daneben wieder Lederstreifen mit selbiger Polierpaste. Ganz rechts ein Stück Pappe bestrichen mit blauer Bosch Metallpolitur in Wachsform.

      Die nächsten gebauten Abziehriemen waren dann schon wesentlich attraktiver, die beiden linken beladen mit Chromoxid in Pulverform, der rechte wieder mit der grauen Polierpaste von Scherenkauf. (die großen haben eine Lederfläche von 7x24cm).

      Hier meine seit ungefähr 2 Jahren am liebsten genutzten. Links Silverline Grün, rechts die beiden Silverline weiß.
      Ich denke über die Lederriemen an sich brauche ich nicht viel zu schreiben, man nehme Leder und klebe es auf eine harte Unterlage (habe Holz und Plexiglas verwendet). (sauberes Leder vorrausgesetzt)
      Kleiner Tipp zum Leder: Mit hartem Leder habe ich bessere Erfahrungen gemacht, scheint so, als ob sich weiches Leder um die Schneidkante legt und sie leicht verrrundet/ abstumpft. Hautseite für flüssige Polierpasten, Fleischsseite für Pasten in Wachsform.


      Jetzt das eigentlich interressante, die Polierpaste.
      Ich habe lange Zeit damit verbracht, verschiedene Polierpasten zu testen. Angefangen von einfacher Pappe mit getrockneter Zahnpasta drauf (funktioniert nicht), über diverse Metallpolituren von Sonax, Autosol, Bosch, Elsterglanz,...(Autosol funktioniert recht gut, den Rest sehe ich als benutzbar aber weit entfernt von gut) bis hin zu wirklich spezifisch für Messer gemachte Polierpasten.
      Zuerst die graue Siliziumkarbidpaste von Scherenkauf. Sie ist sehr aggressiv, poliert enorm gut, hält enorm lange ist aber doch relativ "grob". Wenn man zu lange abzieht wird die Schneidfase sichtbar konvex und ab einem bestimmten Punkt wieder stumpfer, das ist auch der Grund warum ich Schleifsteine als Touch-Up nutze und keine Abziehriemen mehr. Ich nutze sie nur noch sehr selten.
      Die beiden besten Polierpasten kommen von der Firma Silverline in 500g Blöcken. Ich nutze sie auf Rauhleder (Fleischseite) und sie machen einen fantastischen Job. Die weiße ist minimal gröber als die grüne. Ich denke die weiße ist mit der allseits gelobten Bark River White Compund vergleichbar, somit liegt sie bei einer Körnung von um die 12,000 (entspricht glaube 1 Mikron). Die grüne nutzt Chromoxid als Schleifmedium, welches nur 0,5 Mirkon groß ist. Lasst euch nicht von der enormen Feinheit zurückschrecken, selbst nach dem Missarka Ultra Rot reichen 5 Züge auf der weißen Paste aus um etwaige Grate zu entfernen und eine sehr schnittfreudige "toothy edge" zu hinterlassen. Preis-Leistung mit weitem Abstand am besten und generell die Performance ist überragend. Ich habe auch schon mit Chromoxid in Pulverform gearbeitet, das ist aber eine riesige Sauerei und gibt auch keine besseren Ergebnisse, als die grüne von Silverline. Funktioniert top, ist aber aufwändig.


      Zuletzt noch ein paar Tipps, welche ich über die Jahre gelernt habe und die FÜR MICH sehr gut funktionieren. :meinung:
      -lange Züge (wie bei Jdavis882 oder Outdoors55) über den Stein funktionieren besser, als "hin-her" wie es traditionell japanisch gemacht wird (Winkel wird, besonders bei Ungeübten, öfters verwackelt)

      -versucht keinen Grat von Stein zu Stein mitzunehmen, erst Grat durch mehrere leichte Züge (1 pro Seite) komplett entfernen

      -schon ab einer Körnung von etwa 320-400 muss das Messer rasieren können (wenn auch nicht sauber) und ohne Haken ein Blatt Papier schneiden, wenn nicht ist noch ein Grat vorhanden oder noch nicht genug Material entfernt

      -Lederriemen nicht als Haupt-Entgratwerkzeug ansehen, auf dem letzten Stein den Grat komplett entfernen, sodass 5-10 Züge auf dem Leder ausreichen um Mikrograte oder ähnliches zu entfernen

      -keinen Druck auf das Leder ausüben, sonst legt es sich um die Schneidkante und macht das Messer stumpfer

      -nicht zulange abziehen: 1. ihr entfernt die Mikroverzahnung an der Schneidkante, welche euch beim schneiden von alltäglichen Dingen enorm hilft (Rasiermesser sind ein anderes Thema!) 2. ihr macht den Anschliff konvex, das bringt zwar mehr Stabilität, jedoch muss man immerwieder auf gröberen Steinen starten um das Ballige zu entfernen, was sich in erhöhtem Messerverschleiß äußert (oder man kann ballig auf Schleifsteinen schärfen wie Virtuovice oder die Jungs von DBK -> kann ich nicht im geringsten)

      -nutzt soviel wie ihr könnt von euren Steinen, nicht nur die Mitte (Steinverschwendung) -> Beispiel Murray Carter er richtet seine Steine nicht ab, er nutzt die hohen Stellen bis der Stein wieder eben ist

      -um den Winkel zu treffen eignet sich die Sharpie bzw Edding Methode hervorragend (Kontrolle mittels Mikroskop ist auch ganz net aber nicht unbedingt nötig)

      -ganz wichtig...keine Angst vorm freihändig Schärfen! Es gibt zwar eine Lernkurve, aber man wird mit dem Können belohnt sein Messer so ziemlich überall zu schärfen (hat Kumpels von mir nicht nur einmal den Allerwertesten gerettet -> eine Schiefergehwegplatte wurde als Schleifstein missbraucht) :whistling:


      Outdoorschleifsteine sehe ich für Anfänger als ungeeignet, da man erstmal eine ordentliche Technik entwickeln sollte bevor man sich auf solche fummeligen Steine begibt.
      Ich nutze diverses. Immer in meiner Hosentasche ist ein kleiner 5x2,5cm Keramik/ Diamant Schleifstein (kein DC3), diesen findet man auf Aliexpress.com für etwa 5,20 Euro. Im Rucksack immer dabei eine DMT X-Coarse Diamantplatte in DC4 Größe, ergänzend ein 3000/8000 Schleifstein in DC4 Größe, welche beide zusammen tolle Ergebnisse Outdoor liefern. Den DC4 von Fällkniven kann ich absolut nicht empfehlen, die Diamantseite trägt schon nach 3-4 Messern kaum etwas ab. Die Keramikseite ist ok. Wesentlich besser ist der CC4, welcher statt der Dia.-Seite eine noch feinere weiße Keramik besitzt, perfekt für Touch-Ups Outdoor. :love:

      (Alle bisher geschliffenen Messer haben Stähle von Doseblech bis hin zu ATS34 oder Böhler M390, ich hab noch nie ein PM Karbidmonster geschärft wie HAP70, S110V, Maxamat, ZDP,.... habe ich auch in Zukunft nicht vor. Für solche Überstähle braucht man spezielleres Werkzeug. Meistgenutzt von mir ist 440C, 12C27, 14C28N, AUS8, 8CR13MOV, O1, 1095,....)

      Das war jetzt erstmal genug Gelaber von mir, wer Fragen hat gerne her damit. :beer:
      MfG Kevin

      P.S. in etwa 2 Wochen gibt es hier direkt ein Update, da ich mir die Creme de la Creme der synthetischen Schleifsteine bestellt habe. Shapton Glass 320, Naniwa Professional/Chosera 800, Professional/Chosera 3000 und Spyderco 306UF. :vhappy:
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von 2stroke_fanatic ()

    • Danke für die ausführliche Darstellung. Ich bin "Winkelsystemschleifer", traue ich aber, unterwegs mal ein Touch up mit einem kleinen Arkansas zu machen. Interessant finde ich Deine Aussage, "ich hasse das Schleifen mit Diamamt" und die Beurteilung des weißen Lansky Keramiksteins. Deckt sich mit meiner Erfahrung, denn vor vielleich drei Monaten habe ich mir ein paar von diesen Dmt- Diamant"feilen" beschafft, die wie Butterflymesser aufgebaut sind und werde das Gefühl nicht los, dass die bei weitem nicht so gut abtragen, wie die Ölsteine, die bei meinem uralten Lansky 5er-Set dabei sind (dieses Teil mit dem Alu-Winkel).
    • Mich haben die Diamantplatten immer enorm enttäuscht, besonders weil sie in den USA über alle Maße gelobt werden. Bisher habe ich die Platte von Lansky, eine kleine von DMT und 3 China Billigteile getestet, keine konnte mich überzeugen. Sie sind zwar am Anfang sehr bissig, jedoch lässt das nahezu sofort nach, danach tragen sie für meine Maßstäbe recht langsam ab (wie du schon sagtest) und nach recht kurzer Zeit sind die Platten komplett verschlissen. Wohlgemerkt arbeite ich besonders auf Diamant mit sehr wenig Druck und auch meist mit Seifenwasser. Auch fühlen sich die Platten beim Schärfen sehr unschön an und geben mir kaum Feedback (ist mir schon irgendwie wichtig). Meist schärfe ich nach Gehör, da man Winkeländerungen mit Erfahrung recht deutlich hört. Die Diamantplatten bieten aber weder akustisches noch physisches Feedback. :thumbdown: Ich nutze sie nur noch zum Abrichten. :P
    • Ja, dieses Lob hatte mich auch animiert, die Diamant-Teile einmal auszuprobieren. Da hieß es, das gehe viel besser und leichter, als mit dem Stein, außerdem kaum Druck nötig. Aber vielleicht täusche ich mich ja auch, ich muß dem Zeug noch einmal eine Chance geben.
    • Servus,

      vielen dank für deinen ausführlich Beitrag und das Teilen deiner Erfahrungen. Wer es schafft vom letzten Stein seiner Progression weg, Haare zu spalten und das mit freier Hand, ist eigentlich sattelfest genug, was Technik und Methode betrifft. Wenn du beim Freihandschliff bleibst, kannst du nur noch versuchen, über ausgesuchte Steine ein noch besseres Feedback, mehr Tempo und beständigere Reproduzierbarkeit zu erzielen.

      Erst ein winkelgeführter Schliff mit Druckkontrolle bei steigender Progression und eine Schneidenkontrolle mit einem Lichtmikroskop bringt dich dann noch weiter, wobei es bei dieser Methodik eigentlich nur darum geht, durch eine präzise und geschlossene Schneide eine Basis für bessere Schneidkantenstabilität und Standzeit zu schaffen. Schärfe ist da eigentlich ein Nebenprodukt und gar nicht zu vermeiden, wenn man alles richtig macht. :rolleyes:

      Nach meiner Erfahrung erlaubt erst ein geführter Schliff mit Schneidenkontrolle einen ernstzunehmenden Einfluss auf die Schneidenkantenstabilität und die Standzeit einer Schneide.

      Da auch eine nur einseitig durchgeschliffene Schneidenspitze Haare spalten kann, oder auch ein feiner Restgrat, indem sich das Haar verfängt, so ist eine hohe Schärfe kein Garant für einen sauberen Schliff. Erst unter dem Mikroskop sieht man wirklich was los ist und ob man es tatsächlich geschafft hat, eine einzige Facette zu setzen und diese bei jedem Steinwechsel auch wieder genau zu treffen. Die Realität unter dem Mikroskop schaut meistens anders aus, es zeigen sich unterschiedliche Winkel und Einzelfacetten innerhalb einer Schneidfase.

      Nur mit winkelgeführter Methodik, lässt sich auch noch nach drei oder vier Steinen präzise die vorangegangene Fase treffen. Eine derart sauber gesetzte Schneidfase mit zur vorgesehenen Aufgabe passendem Schleifwinkel versehen, ist stabil und kollabiert erst viel später als eine von Hand geschliffene, oder ein Bandschliff/Maschinenschliff. Zumindest in den allermeisten Fällen. Ausnahmen bestimmen natürlich die Regel. Mit abgestimmter Progression und immer dünner werdender Schneidenspitze durch immer feineres Schleifkorn wird durch Druckentlastung die nur wenige Mikron dicke Schneidenspitze vor plastischer Verformung geschützt. So erreicht man eine nicht gekannte Präzision des Schliffes. Schärfe ist dabei fast ein Beifang, ein Nebeneffekt der sich einfach einstellt. Haarspalterei bedeutet eine ausgereizte Schneidenspitze, die sich in der Regel schnell verbraucht. Mein persönliches Ziel ist nicht das Kappen von Haaren durch Eigengewicht beim Bewegen eines Haares über die Schneide, sondern ein durchgehend gleichmässiger Schliff ohne Fehlstellen, weil so ein Schliff am längsten hält ohne punktuell frühzeitig einzubrechen. Mit solcher Methodik ist es tatsächlich möglich, moderne PM-Stähle in einer privaten Küche über viele Monate nicht schärfen zu müssen und das bei täglichem Gebrauch.

      Einer meiner Hauptgründe so zu schleifen, liegt in der Begründung/Erfahrung bandgeschliffene Schneiden abzutragen (Defektschicht ), die meist tiefe Riefen bis in die Schneidenspitze und verwellte Facetten davontragen. Siehe Bilder. Schleifbrand will ich gar nicht extra erwähnen. Bei japanischen Klingen liegt es traditionell am Abschrecken in Wasser, was zu feinen Rissen von der Schneidenspitze bis in die Klinge hinein führen kann. Belässt man das einfach so wie es ist, sind die Folgen absehbar. Es kommt zu Mikroausbrüchen und frühzeitigem kollabieren der Schneiden. Erst wenn das alles entfernt ist, kann der jeweilige Stahl sein volles Potential ausspielen, natürlich ausgehend von eine korrekten WB.

      So ist mein erster Schritt immer, eine mikroskopische Schneidenkontrolle um abschätzen zu können, ob die Schneide für meine Zwecke halten wird oder nicht.



      Eine kollabierte Schneide durch Wellen in der Schneidfase ( seitlicher Overgrind )



      Wie du siehst habe wir ganz unterschiedliche Zugänge und Methoden, aber es gilt einfach, dass jeder seinen Weg zu scharfen Messern finden muss. Viele Wege führen ans Ziel und die einzig gültige Ansicht oder Methode gibt es nicht.

      Schärfe lässt sich leider schwer definieren und auf einen gültigen Nenner bringen, weil je nach Erfahrung sehr unterschiedlich „sehr scharf“ empfunden wird, aber eine mikroskopisch dargestellte Schneide im Bereich von 200-500facher Vergrößerung zeigt den tatsächlichen Zustand, bevor es durch noch höhere Vergrößerung ins abstrakte abdriftet. Eine 10000fache Vergrößerung zeigt nur noch Berge und Täler.

      Kurz noch zu Diamantschleifmittel…..

      Es ist tatsächlich so, das auf Aluträger aufgebrachte Diamantfolien ein „spezielles“ Feedback geben, weil sich kein Slurry bildet, weil kein Bindemittel und somit keine Diamantpartikel ausgeschwemmt werden. Bei billigen Steinen lösen sich die Diamantsplitter aus der Folie und nach ein paar Anwendungen sind diese Steine für den Müll. Bei guten Steinen bleiben die scharfen Diamantschleifpartikel in der Folie und lösen sich nicht, sondern verlieren kontinuierlich an „Biss“ , sie stumpfen einfach ab und es kommt nix frisches an die Oberfläche, wie bei diamantgebundenen Steinen. Daher, versuch mal harzgebundene oder keramikgebundene Diamantschleifmittel wie DMD Diamond Stones und bilde dir ein Urteil. Diamant als Schleifmedium hinterlässt ( vor allem grobe Körnungen ) aber tiefe „Schnitte“ in der Fase und auch der Flanken wenn man damit ausdünnt und die bekommt man mit nachfolgenden Steinen nur schwer wieder raus. Das müsste schon ein besonders schwer zu schleifender Stahl sein, vorher würde ich keine Diamantschleifmittel verwenden. Alternativ empfehle ich für PM-Stähle die Sigma Select-Reihe. Diese ist ausgezeichnet geeignet.

      Präzises schleifen/schärfen ist eben ein weites Feld mir schier unüberschaubaren Möglichkeiten. Alleine die Beschäftigung mit japanischen Natursteinen, deren Abbaugebiete, deren Wirkungsweisen und Eigenschaften ist fast unerschöpflich. Wer tief in die Materie eindringen will, kann enorme Summen für Schleifmittel aus Naturstein verbrennen. Es ist ein unerschöpfliches Reservoir für Schleifforschung und Versuch für manche Nerd’s, für mich nur Mittel zum Zweck. Ich möchte nur, wenn ich es machen muss, es wirklich gut machen. :D

      Gruß, cato
      Nichts ist gelber als das Gelbe selber. :D
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      Hey Grüße Cato,
      wirklich eine geniale Antwort, Vielen Dank. :thumbsup:
      Was Steine mit besserem Feedback angeht, sind ja schon hochwertige (und auch teure) Steine auf dem Weg zu mir. :love: Mal sehen ob sie wirklich so gut sind wie ihr Ruf, besonders da ich mit meinen Zische Steinen eigentlich schon sehr zufrieden bin.
      Ein geführtes System ist natürlich besser im Schneide definieren und wesentlich besser im Winkel halten (da ist das Lansky wahrscheinlich noch das Wackeligste, wenn ich mir zum Beispiel das Wicked Edga anschaue). Aber ich habe mich ja, wie schon aufgeführt, aktiv gegen ein geführtes System entschieden. Ich Versuche lieber das ganze Freihand zu perfektionieren.
      Die Schneidfase mit einem geführten System erstellt sieht unter dem Mikroskop wirklich beeindruckend sauber aus, würde mich auch mal interessieren, wie das bei mir so aussieht. Ich würde behaupten, dass ich den Winkel auch von Stein zu Stein recht gut halten und reproduzieren kann.

      Die DMD Steine hatte ich letztens auf Aliexpress gesehen, die wären tatsächlich mal einen Versuch wert, muss nur erstmal wieder sparen (Schüler, bald Student).

      Von den Sigma Select hatte ich auch schon viel gutes gelesen, aber die sollen wohl recht weich sein, was mir wieder nicht so gut gefällt.

      Schleifen ohne physisches Feedback kann ich eigentlich relativ gut, da der Lansky Keramikstein recht schlechtes Feedback gibt, dafür aber ein so gutes akustisches Feedback wie sonst kein anderer Stein. Bei den DMT's oder allgemein Diamantschleifplatten fehlt mir aber beides, deswegen tu ich mich da etwas schwer.

      In das Thema japanische Naturschleifsteine oder allgemein Natursteine will ich garnicht eintauchen, ich kann jetzt schon erahnen, dass das meinem Geldbeutel nicht gut tun würde. Mein kleiner GBB und der Thüringer Schiefer reichen mir da aus. Auch wenn so ein Kasumi Finish, wie es viele der japanischen Natursteine bieten, eine ganz eigene Schönheit hat. Da fehlen mir aber grundsätzlich noch die Messer dazu (Yanagiba, Deba, usw.). :P

      MfG Kevin

      P.S. Weil mich deine geilen Mikroskopbilder gerade wieder daran erinnern, auf der Seite scienceofsharp.wordpress.com bekommt man auch einige wertvolle Infos.
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      Ich möchte mich auch bedanken, im Grunde sind beide "Großbeiträge" höchst instruktiv.

      PS: Es stimmt schon, das Lansky-Winkel Ding wirkt etwas lawede, aber es funktioniert. Man muss nur zwei Einschränkungen hinnehmen. Zum einen sind die angegebenen Winkel nur Näherungswerte, weil die Breite der Klinge Einfluß auf den tatsächlichen Winkel hat. Außerdem hat man von der Griffseite zur Mitte hin einen stumpfer werdenden, von der Mitte zur Spitze hin wieder spitzer werdenden Winkel. Das ist dem Umstand geschuldet. daß durch den seitlichen Versatz der Winkel sich fließend ändert. Damit kann ich aber gut leben, ich komme von meinen Ansätzen im Freihandschleifen immer wieder zum Lansky zurück, wenn es gründlich sein soll. Ob die Ergebnisse aber so akkurat aussehen, wie auf den Beispielen oben, bezweifle ich.
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      Es steht außer Frage, dass das Lansky funktioniert, aber es hat halt so seine Einschränkungen (Aaron Gough hat es bei seinen ersten Messern genutzt, Heiko Häss dachte auch).

      Übrigens kam schon vorab mein Spyderco 306UF an, was ein absolut geiles Teil. Ein großes und detailliertes Update kommt aber erst, wenn der Rest der Bestellung da ist. :)
      MfG Kevin

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von 2stroke_fanatic ()