Pimping my Hultafors

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    • Pimping my Hultafors

      Hallo Community!
      Da mich derzeit das Axtfieber heftig schüttelt, habe ich mir eine Hultafors Spaltaxt gekauft um ein paar Techniken die ich im Internet gesehen hatte auszuprobieren.
      Meine neue Gränsfors war mir dazu zu schade :D .

      Die Hultafors macht einen sehr guten Eindruck mit ihrem Handgeschmiedetem Blatt und dem Hickory Stiel, allerdings sind die Details deutlich unachtsamer als bei der Gränsfors - was ich ihr aber bei weniger als einem Drittel des Preises gut nachsehen kann!

      Gut, ich habe mir einige Videos zum Thema Stiel, Stielschutz und Geometrie angesehen und vor allem die Vlogs von SkillCult auf Youtube haben mich sehr angesprochen.

      Hier mal das Objekt der Begierde im Kaufzustand - ordentlich eingestielt aber deutliche Schnitz-Spuren und ein Stiel der noch verbessert werden konnte.





      Als Erstes habe ich mir also den Stiel vorgenommen und die Schnitzer entfernt.
      Das habe ich mit Klinge (gezogen) und anschließend etwas Schleifpapier erledigt.




      Als nächstes kam das Griffende dran...

      Beste Grüße,
      Rainer
      Blaupfeil - the sky is the limit..


    • @BLB Blades
      Hallo Reinhard, bitte nur keine Scham - niemals. Im Übrigen sind die Fiskars ganz hervorragende Werkzeuge und ich werde mir sicher noch mal eine holen, weil sie den funktionalen Aspekt erstklassig verkörpern, was ich auch sehr schätze.

      Und klar, die Hultafors gefällt mir auch schon im „Urzustand“ ganz hervorragend: dieser geradlinige geschmiedete Axtkopf, der geschwungene Hickory-Stiel, die Gewichtsverteilung - alles klasse. Deshalb werden meine Eingriffe eher dezent sein, ich will ja nichts verschlimmbessern...

      Ich will Euch einfach an meinen Erfahrungen mit den Veränderungen einer klassischen Axt teilhaben lassen, das ist auch für mich Neuland, weil ich meine damals für den Wettbewerb gebaute Shakori in einer ganz anderen Technik gebaut habe.

      Beste Grüße
      Rainer
      Blaupfeil - the sky is the limit..


    • Ganz einseitig bin ich ja auch nicht, immerhin habe ich ein Jägerbeil von Gänsfors. Das Erstaunliche an dem Teil ist, daß es seine Schärfe trotz einiger Entastungsarbeiten und Feuerholz"zubereitung" bis heute gehalten hat. Das andere Extrem ist eine Spaltaxt, die ich im Baumarkt meines geringsten Mißtrauens erst für Fiskars gehalten hatte und die sich dann als in Deutschland hergestelltes Generikum entpuppte, zum halben Preis einer entsprechenden Fiskars Axt. Die übertraf an Gewicht und Länge die gewaltigste damals erhältliche von Fiskars und ich dachte, I'll give it a try. Die steht den Fiskars in nichts nach, so weit ich das bis jetzt einschätzen kann. Knapp vor unkaputtbar.

      Aber ich will Deinen Faden nicht zerfasern, also schweige ich jetzt wieder.
      feilt seit 10 2018
    • Hallo Rainer,
      da hat dich der Virus ja voll erwischt :D . Deine Nacharbeiten gefallen mir gut. Lässt du der Klinge auch noch eine Nachbehandlung zu kommen? Ich würde die vordere Schneidenflanken nachschleifen und polieren. Die Klinge soll ja beim Spalten nicht soviel Reibungswiderstand erzeugen. Was mich auch begeistert ist die Schneidengeometrie. Wenn die so funktioniert wie ich es mir vorstelle, musst du aufpassen dass du den Hackklotz nicht gleich mit durchschlägt :thumbup: .

      Viele Grüße
      Alex
      Blood, Sweat and Musclecat!
    • @axdamast
      Ja, Alex, so ist es - außerdem ist das nach der Sommerabstinenz und eher grobmotorischer Orientierung ein gutes Thema um wieder in die akkuraten Arbeiten und das Messermachen reinzukommen, ich brauch da manchmal so eine 'Anwärmphase' ;) .

      Der Plan ist wie folgt: Zuerst wird der Stiel fertig gemacht (ist eigentlich - zumindest fürs Holz schon erledigt, ich muss nur noch die Bilder reinstellen), dann kommt der Stielschutz aus Rohhaut - ja, ich erinnere mich: Wasserfestigkeit... :) , dann eine ordentliche Lederscheide und am Schluss werde ich ganz sicherlich die Schneide nochmals sauber abziehen und polieren.
      An der Geometrie muss ich nichts machen, denke ich, das sieht sehr gut aus, auch wenn der Mittelsteg nich exakt mittig ist, sondern etwas nach vorne/unten geneigt ist, aber vielleicht ist das auch Absicht...

      Beste Grüße,
      Rainer
      Blaupfeil - the sky is the limit..


    • So, hier ein paar weitere Fortschritte...

      Beim Griff hat mich gestört, dass in der Länge ca. 1cm verschenkt wurde und den habe ich mir geholt. Weil ich die Vorschläge und Arbeitsweise von SillCult ausprobieren wollte, habe ich dazu für die Grobarbeiten ebenfalls eine Leder- Hufraspel verwendet, die ich mal vom Flohmarkt mitgenommen hatte:



      Dann wieder mit der Klinge geglättet und nochmals mit dem 180er drüber (zu glatt soll der Griff ja auch nicht werden) und das Ergebnis hat mir schon mal ganz gut gefallen und ist haptisch genau richtig für mich:








      Als nächstes kommt nun der Kragen aus Rohhaut...

      Beste Grüße,
      Rainer
      Blaupfeil - the sky is the limit..


    • weiter geht’s mit dem Leder...

      Also zuerst mal den Hundeknochen eingeweicht und geguckt ob da ein brauchbares Rohleder dabei ist:



      Und tatsächlich sind ein paar sehr gute Stücke herausgekommen. Allerdings weiß man bei den Hundeknochen nicht, wie alt das Leder ist - was die Elastizität und das Schrumpfverhalten beeinflusst.
      Gut, Probieren... also das nasse Leder zuerst im T-shirt gehämmert um die größte Feuchtigkeit heraus zu bekommen und dann vernäht.



      Allerdings war das Leder weniger elastisch als erhofft und ich konnte die verdeckte Naht nicht so festziehen wie gewollt ohne das Leder zu durchschneiden.
      Dennoch hat es ganz gut geklappt, denke ich:



      Dann im „halbtrockenen“ Zustand den Abschluss zum Griffende hin ausdünnen:



      So und jetzt trocknen lassen, bevor die zweite Lage drauf kommt...

      Beste Grüße,
      Rainer
      Blaupfeil - the sky is the limit..


    • Hallo Rainer,
      bist ein richtiger Fuchs :thumbup: und ich hab mal wieder was gelernt. Hundeknochen ergibt Rohleder, da hätte ich als ehemaliger Hundebesitzer auch drauf kommen können. Naja um den Geruch beim Einweichen beneide ich dich nicht, aber was machen wir nicht alles für unser Hobby :D . Auf jeden Fall eine klasse Idee und super umgesetzt.

      Viele Grüße
      Alex
      Blood, Sweat and Musclecat!
    • @axdamast
      Du, Alex, das ist wieder einmal eine ganz hervorragende Idee....

      ...die nicht von mir ist!

      Ich habe das irgendwo gelesen und wollte es einfach ausprobieren - passt zu dem leicht experimentellen Zugang zur Aktion.
      Ja, ich habe auch erwartet, dass da Einiges auf mich zukommt an olfaktorischen Herausforderungen, aber es hat absolut überhaupt nicht gestunken! Das Arbeiten mit der Rohhaut war richtig angenehm.

      Für Alle, die das auch ausprobieren wollen: ich habe das Teil bei Dehner gekauft, NICHT das entölte Zeug, sondern das hier:



      Und das kam dann heraus - da habe ich noch ordentlich Material für weitere Experimente :D



      Beste Grüße,
      Rainer
      Blaupfeil - the sky is the limit..


    • sehr interessant fand ich die Theorie von SkillCult, dass Kompression das Holz um ein vielfaches verstärkt - also habe ich noch eine zweite Lage Rohhaut aufgelegt.
      Diesmal etwas größer und mit ordentlich Überstand, so dass der Schrumpf ausgeglichen wird.



      Als die Haut ein wenig angetrocknet war, habe ich die Überstände angepasst und zusätzlich dünnflüssigen Holzleim eingebracht um die Abschlüsse zu verstärken. Das Ganze dann noch gesichert damit alles dort bleibt wo es hingehört:



      ...hätte ich die Überstände mal nicht schon abgeschnitten... die Rohhaut ist beim Trocknen nochmals ca. 5mm geschrumpft - immerhin muss die Kompression jetzt ganz ordentlich sein :)

      Nach dem Trocknen habe ich den Kragen nochmals mit Klinge und Schleifpapier angepasst



      und dann endlich in ordentlich Leinöl gebadet:



      das darf jetzt trocknen und Morgen geht es dann an die Lederscheide...

      Beste Grüße,
      Rainer
      Blaupfeil - the sky is the limit..


    • Nordwind schrieb:

      Hallo Rainer,
      Ich finde es wirklich immer sehr beeindruckend/Klasse, wie akribisch du solche Sachen verfolgst und hier Schritt für Schritt vorstellst.
      Kurzum, danke :thumbsup:
      Dem schließe ich mich aber mal ausdrücklich an! Ich verfolge Dinge auch akribisch, aber man kann es halt nicht vorzeigen. Aber dieser Wille nach Perfektion und die Ergebnisse, das ist schon beeindruckend!

      Gruß

      The Lem
    • @Nordwind, @TheLem
      Danke für die Rückmeldungen! Ich lerne gerne, da helfen mir die Beispiele und Erfahrungen der Freunde in der BC, die zahlreichen Tipps und WIPs etc. - und da möchte ich gerne ein wenig davon zurückgeben indem ich eben auch meine Erfahrungen teile. Wenn es dem Einen oder Anderen hilft oder gar inspiriert, freue ich mich ungemein!

      So, heute Nachmittag hatte ich etwas Zeit und da die Hultafors ja ohne Schutz kam, habe ich ihr eine Scheide gebaut.

      Also zuerst mal auf Papier eine Skizze gefertigt und diese dann auf das Leder übertragen.




      Dann ein paar Vorarbeiten für die Befestigung der Lasche: diese habe ich in die Scheide geführt, wo sie von innen vernäht werden soll.
      Also zuerst die Positionen markiert, dann den Riemen etwas geschärft.



      Die Löcher als „Ecken“ für die Durchführung gestanzt und den Riemen an den Ecken abgehobelt.



      Damit waren die Vorbereitungen abgeschlossen und dann habe ich die Scheide verklebt und mal 30 Minuten gewässert.
      Dann auf beiden Seiten ca. 5mm vom Rand weg die Rillen gezogen und die Löcher gestanzt und vernäht



      Dann nochmals auf die Axt gezogen, damit sämtliche Konturen passen und noch den Riemen angenäht, bzw. den Beiltaschenknopf gegenüber montiert:



      So und jetzt darf das Ganze mal trocknen bevor ich das Leder wetterfest mache:



      Wer übrigens Tipps hat für einen guten Wetterschutz für das Leder - nur her damit, ich bin sowieso gerade am Experimentieren :)

      Beste Grüße,
      Rainer
      Blaupfeil - the sky is the limit..


    • Hallo Rainer,

      das sieht verdammt gut aus! (Der Hundekauknochen steht übrigens schon auf meinem Einkaufszettel.)

      Als Tipp für's Leder: Ich würde Bienenwachs nehmen. Ich hab noch einen Flaschenwärmer von meiner Kleinen übrig, damit verflüssige ich das Bienenwachs im Wasserbad. Anschließend mit dem Pinsel auftragen und mittels Heissluftpistole dafür sorgen, dass es gut ins Leder einzieht. Macht das Leder wasserfest und vor allem auch stabil, sprich man kann damit auch weicheres Leder härten. Hab das bei meiner Gränsfors so gelöst, da die mitgelieferte Scheide für meinen Geschmack etwas labbrig war.

      Ich möchte mich an der Stelle auch noch für deine reich bebilderten Berichte bedanken. Ich vergess das meistens oder trau mich nicht, da ich nicht sicher bin ob das gewünschte Ergebnis auch rauskommt.

      Schönen Gruß
      Frank
    • @friluftslivet
      Danke, Frank für den Tipp mit dem Bienenwachs - ich habe da schon einiges dazu gefunden und ich werde es ziemlich sicher ausprobieren!

      Übrigens zum Thema Berichte und „Fail“... ehrlich gesagt gibt es bei mir (fast) kein einziges Projekt, wo wirklich alles reibungslos abläuft. Hier war es zum Beispiel der Schrumpf von der Rohhaut, der sich irgendwie ganz anders verhalten hat als das vegetabil gegerbte Leder mit dem ich z.B. die Scheide gemacht habe - es sind m.E. gerade diese Erfahrungen, die besonders wert sind geteilt zu werden weil Andere dann daraus lernen und halt andere Fehler machen dürfen als die die ich schon gemacht habe ;)
      Zu den Bildern: früher habe ich das mit der Digicam gemacht, sehr aufwendig - heute liegt das iPhone daneben und ich halte einfach drauf, dann später auf‘s Pad und ab in den Bericht: schlechtere Bilder, aber umfangreichere Dokumentation :)
      Also halte nicht zurück mit dem Einstellen von WIPs etc. - davon lebt die BC.
      Beste Grüße
      Rainer
      Blaupfeil - the sky is the limit..


    • @TheLem

      Da magst Du wohl recht haben... wobei, vielleicht mache ich ja an der Gränsfors weiter :)


      So, was ist in der Zwischenzeit passiert: zuerst habe ich den Kragen mit Lederbeize gefärbt - die ursprüngliche Farbe hatte sich doch sehr Richtung Ötzi entwickelt, außerdem hat es mich an die Surfbretter erinnert, die ich vor vielen Jahren gebaut hatte... und Salz, Meer und Sand ist nicht die Assoziation, die ich an der Hultafors gerade haben will.

      Dann habe ich für die Scheide den Vorschlag von Frank @friluftslivet aufgenommen und mir Bienenwachs besorgt, geschmolzen und aufgetragen...



      Und dann vorsichtig mit der Heißluftpistole erwärmt, so dass das Wachs besser in das Leder eindringt - es wird regelrecht reingezogen. Aber: mann, habe ich mir die Finger an dem Ding verbrannt, besonders der heiße Beiltaschenknopf ist fies... :D

      Aber das Ergebnis lässt sich wirklich sehen, meine ich - danke nochmals, Frank für den Tipp!



      Was Ihr oben noch seht: Da ich noch etwas geschmolzenes Bienenwachs hatte, habe ich gleich noch mit Sheabutter und etwas Kokosnussöl und ein paar Tropfen Teebaumöl ein „Fixing Wax“ gemacht mit dem man angeblich so ziemlich Alles pflegen und schützen kann.

      Das habe ich natürlich auch gleich an Leder und Holz ausprobiert...





      Jetzt muss ich den Grobabzug an der Schneide noch optimieren, polieren - und dann ist sie hoffentlich bald bereit für den Einsatz.

      Beste Grüße,
      Rainer
      Blaupfeil - the sky is the limit..


    • Hallo Rainer,

      das ist wirklich richtig gut geworden, der dunkle Kragen passt hervorragend zur Axt. Die Scheide hat auch eine schöne Farbe bekommen. Ja, mit dem Wachs hätte ich dich wohl warnen sollen, da muss man echt auf seine Finger acht geben. Wie heiß hast du denn die Heissluftpistole eingestellt? Ich hab mal irgendwo gelesen, dass man Bienenwachs nicht über 60 Grad erwärmen soll, daher stelle ich max. 70 Grad ein, dass reicht dann meistens, dass es gut einzieht.

      Dann möchte ich jetzt noch eine spiegelnde Schneide sehen und das Werk ist vollbracht :thumbsup: .

      Blaupfeil schrieb:

      Also halte nicht zurück mit dem Einstellen von WIPs etc. - davon lebt die BC
      Da ich mir nach 6 Jahren (könnte auch länger her sein) endlich mal ein neues Smartphone zugelegt habe, befleißige ich mich, bei den nächsten Projekten Fotos zu machen und hier zu zeigen.

      Bis dahin.

      Schönen Gruß
      Frank