Einzelstück - Ein extremes Custom-Messer

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    • Einzelstück - Ein extremes Custom-Messer

      Hallo Freunde der scharfen Klinge,

      Heute will ich Euch etwas Neues zeigen. Das Ganze ist eine ziemlich lange Geschichte, aber ich versuche sie kurz zu halten.

      Ein guter Kunde wollte etwas Besonderes haben. Es sollte ein großes Kochmesser werden. Wir haben zusammen ziemlich lange getüftelt. Viele Entwürfe wurden gemacht, optimiert, wieder verworfen und als die Sache konkreter wurde, wurden einige Schablonen gemacht, verschrottet, neu gemacht ... und irgendwann hat es dann gepasst. Merke: Kunden können ermüdend sein, aber nur anspruchsvolle Kunden bringen Dich weiter :S :rolleyes:

      Die Materialauswahl war ebenfalls spannend - nicht zufrieden zu stellen der Herr. Aber er hat sich dann von Qualität überzeugen lassen.

      Mein Ziel war es, ein wirklich exclusives und ansprucsvolles Messer zu machen. Mir waren vor allem die inneren Werte wichtig. Dazu gehört für mich ein Stahl, der in der obersten Liga spielt. Den habe ich dann schmieden lassen.

      Der Kunde wollte explizit Carbonstahl und es sollte natürlich ein dekorativer Damast sein.

      Jetzt erst mal ein paar Bilder, dann erzähle ich weiter.



      Bilder
      • Mop12.jpg

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      GEHAWE.DE

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    • Jetzt mal zu den technischen Daten:

      Stahl ist große Pyramiden aus:
      • 1.2510 - 100MnCrW4
      • 1.2442 - 115W8
      • 1.2796 - (15NiCuAl12-10-10 nach Schmolz Bickenbach)
      Gesamtlänge: 345mm
      Klingenlänge: 202mm
      Dicke: 3,1
      Gehärtet und 3 x angelassen auf 64,5HRC (!) dazu 4 mal Tiefkühlung (ja, obwohl es "nur" C-Stahl ist ...)
      Dicke auf Backenhöhe: 16,4mm
      Klingenhöhe: 60mm
      Klinge wurde durchgehend bis auf 0,2mm ausgeschliffen
      Gewicht: 325.8g (relativ schwer, obwohl ich fast alle Register gezogen habe)
      Griffmaterial: Stabilisierter mammut-Backenzahn und Backen mit Muster "Basket-Weave".

      Es war etwas mühsam, die Backen und die Schalen ziemlich symmetrisch hinzubekommen. Bin aber damit ganz zufrieden. Die Backen wurden ebenfalls extra in der Größe und Dicke angefertigt.


      Könnt Ihr Euch vorstellen, wie fummelig es ist, wenn 10 (!) Pass-Stifte mit Klinge, Backen und Schalen fluchten sollen. Und das alles mit verdeckten Pins ... Fluchten und Fluchen schreibt sich auch ähnlich. Das Sche***ß-Mammut-Material is nämlich unterschiedlich hart. Da verläuft der der Bohrer sofort. Die weißen Streifen sind tatsächlich wesentlich härter als die blauen und schwarzen. :S

      Und so sieht es von innen aus:


      Damit ist dann auch das Thema "Wie befestigt Ihr Eure Bolster?" von meiner Seite aus erwähnt.

      Und zu guter letzt meine Version des Themas "Wie verpackt Ihr Eure Messer?":





      Man nehme die Kiste einer Doppel-Magnum-Weinflasche. Boden absägen, einen Streifen aus dem Unterteil austrennen und Boden wieder draufkleben (bzw. -nageln) ... :)

      Wenn Ihr wollt, kann ich noch ein paar Bilder vom "Making of" nachschieben, will Euch aber nicht langweilen.

      Viele Grüße

      Gerhard
      GEHAWE.DE
    • GeHaWe schrieb:

      Hallo....

      ....Kunden können ermüdend sein, aber nur anspruchsvolle Kunden bringen Dich weiter :S :rolleyes:


      Mein Ziel war es, ein wirklich exclusives und ansprucsvolles Messer zu machen.
      Hallo,
      Mit dem Messer hast Du Dein Ziel an Exklusivität und eigenem Anspruch ganz sicher erreicht! So ziemlich alles reingepackt, was es edel und kompliziert macht. Scheint so, dass dieser Kunde Dich nicht ermüdet, sondern weit voran gebracht hat. :rolleyes: :thumbsup:

      Gruß
      Burghard
    • Hallo Gerhard,
      Ein sehr schönes Messer mit erlesenen Materialien! Besonders der Damast der Klinge und der Schliff gefallen mir extrem gut!
      Mit Backenzahn bin ich persönlich etwas auf Kriegsfuß, umso mehr beeindruckt dass Du das Material so gut in den Griff bekommen hast (pun intended..).
      Welchen Kleber hast Du genommen?
      Beste Grüße,
      Rainer
      Blaupfeil - the sky is the limit..


    • Hallo Rainer,

      Bei dem Kleber bin ich verschiedene Wege gegangen:

      Schritt 1: Die Mammut-Platten habe ich mit 2-K-Epoxidharzkleber mit der Fiber-Unterlage verklebt.

      Schritt 2: Ebenso die schräge Fiber-Zwischenlage zwischen Mammut und Bolster. Also auch da zuerst Mammut und Fiber mit 2-K-Kleber. Hier war das Problem das Spannen der Schräge in 2 Ebenen.

      Schritt 3: Mammut-Fiber-Composite an einigen Stellen hohl gebohrt, um Gewicht zu machen. Das Zeug ist sauschwer und hat mir meinen Schwerpunkt weit in den Griff verschoben. Weiterhin bekomme ich durch die Bohrungen direkten Kontakt von Mammut zu Klinge.

      Schritt 4: Verkleben von Schalen, 7 Passstiften und Klinge mit JB-Weld. Das ist meines Wissens nach der stärkste Kleber für Metall-Metall-Verbindungen. Den JB-Weld habe ich mit Toner-Pulver abgedunkelt.

      Schritt 5 (gleich mit Schritt 4): Bolster mit JB-Weld auf Klinge (mit 3 Passstiften) und die Naht von Bolster zu Mammut/Fiber mit gefärbtem 2-K-Kleber.

      Schritt 6: Kleinste Spalte (Bolster-Fiber) mit getöntem 2-K-Kleber und Heißluftpistole nachgearbeitet.

      Viele Grüße

      Gerhard
      GEHAWE.DE
    • Danke für die Erklärung Gerhard!
      Das passt in dem Aufwand der Verklebungen zur gesamten exklusiven Fertigung dieses Messers.
      Klasse wie Du den Mammutbackenzahn zur ‚Zusammenarbeit‘ gebracht hast und die Schönheit des Materials nutzen kannst!
      Von JB-Weld bin ich übrigens auch sehr überzeugt - zusammen mit den Passstiften hält das sicher für die Ewigkeit..
      Beste Grüße
      Rainer
      Blaupfeil - the sky is the limit..


    • Was für eine aufwändige Arbeit. Die Mühen und das Gefluche habe sich gelohnt. Ich bin mir sicher Dein Kunde wir zufrieden sein.

      Gruß

      Roland
      Ancora Imparo

      Es ist besser eine gute Entscheidung rechtzeitig zu treffen als eine sehr gute zu spät.