Missgeschicke und Rückschläge

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    • Missgeschicke und Rückschläge

      Hallo Leute,

      letzte Woche habe ich in der Rubrik "Was habt ihr neues fertiggestellt?" mein letztes Messer mit dem Thema, "Geradliniges Messer mit geflochtener Einlage" vorgestellt, siehe folgendes Bild.

      Mich hat es nun interessiert, was der Griff so aushält, also Klinge in den Schraubstock gespannt und mal kräftig an dem Teil gezerrt und gebogen.
      Also der Griff ist bombenfest, keine Chance den zu lockern.


      Allerdings, von der Klinge kann ich das nicht behaupten.


      Die Klinge ist von einem Sägegatter. Das Teil habe ich ausgeschnitten, weichgeglüht, nach der Bearbeitung gehärtet und 2x bei 2oo° je 60 min. angelassen. Jederfalls ist das Gefüge sehr fein.
      Beim nächsten Messer werde ich mit 250° anlassen, das ist auch hart genug.


      Mit langsamen Erhitzen habe ich es geschafft, den Klingenrest ohne Zerstörung aus dem Griff zu bekommen. Das Holz ist nur minimal angekokelt, und ohne weiteres reparabel.



      Eine andere Klinge gebastelt, noch einige Nacharbeiten und bald ist das Messer wieder so ähnlich wie zuvor.


      Beim nächsten Bruchtest werde ich etwas behutsamer vorgehen.
      Ich finde, man darf auch mal seine Missgeschicke hier einstellen und ich würde mich freuen, wenn auch ihr mal etwas hier einstellt, dass nicht ganz so wurde wie es soll.
      Schön gemachte Messer sind interessant aber auch die Schattenseiten des Messermachens haben ihren Reiz :D

      Gruß
      Peter


    • Oh nein, aber ich habe selten eine bessere Rettungsaktion gesehen.

      Daumendrück für das neue Messer!

      Gruß

      The Lem

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von TheLem () aus folgendem Grund: Autokorrekturfehler beseitigt.

    • Hallo Peter,
      ich kenne solche Momente, da könnte man glatt an die Decke gehen. Deine Rettungsaktion ist aber durchaus gelungen. Der geschwärzte Griff sieht bei Eiche sowieso gut aus und passt in dem Fall sehr gut zum Rest. Das Plus an Schmiedehaut steht dem Messer meines Erachtens auch besser. Also mir gefällt es sogar noch ein bisschen besser als No1 :thumbsup: .

      Viele Grüße Alex
      Blood, Sweat and Musclecat!
    • Hallo Peter,
      schade um das Messer ;( Aber Du hast ein schönes neues Werk erschaffen :thumbup:
      Bei einer Klinge aus einem Sägegatter weißt Du natürlich nie genau um welchen Stahl es sich handelt. Die Wärmebehandlung ist dann natürlich eine Problemsache.
      Viele Grüße
      Clemens
      Experimenter
    • Hallo Peter,
      das mir das Ganze Leid tut muß ich, glaube ich, nicht extra erwähnen.
      Ich habe schon x Messer aus Gattersägen gemacht weil ich günstig an das Zeug rankomme.
      Laut Bestar müßte es sich um 1,2235 handeln.
      bestar-steel.com/de/produkte/produktgruppen/gattersaegen/
      Ich lasse immer bei 180Grad C an - ohne Probleme
      was mir schon zweimal passiert ist, dass beim Abschrecken der Stahl gerissen ist!
      Meiner Meinung nach Härtetemperatur zu hoch, Öl zu kalt!?! :( :( :(
      Bei der Gelegenheit, Frage an alle Profis:
      sicher besteht doch ein Unterschied zwischen Sägeblättern mit oder ohne Videazähne?
      Weiß da wer Bescheid?
      Grüße: Hermann
    • Das ist echt ein Ding. Ich schließe mich dem Vorschlag mit der Abrundung unbedingt an. Einfach eine leicht abfallende Kurve, vielleicht sogar nur im vorderen Drittel oder Hälfte. Dann müßte es eigentlich fast so aussehen, wie das vorherige.

      Ich hatte auch ein Mißgeschick, aber der harmloseren Art. Messer weitgehend fertig, Lederscheide hergestellt. Normalerweise bin ich mit der Größe recht sicher. Das Messer wird aufgelegt, klingenseitiger Umriß abgezeichnet, einmal über Klingenrücken und Griff auf die andere Seite gerollt, ebenfalls Umriss. Dann Nahtzugabe und alles andere, Keder ausschneiden. Das hat bisher immer geklappt. Die Scheiden sind dann für den Griff zu eng und werden durch allmähliches Eintreiben des Messers und Liegenlassen gedehnt. Das ist keine Naßformung, sondern eine Art Trockenformung, die ein paar Tage dauert, aber auch funktioniert. Diesmal war die Scheide viel zu knapp. Grübel. In dem Fall habe ich nachträglich das Messer vom Klingenrükcen her umgeschliffen, von artig und sozialverträglich aussehend auf eher kühn. Nun paßt es. Ich habe ein paar Bilder, weiß aber nicht, ob das hier ein Sammel-Thema werden soll.
      feilt seit 10 2018
    • Hallo Leute,

      vielen Dank für die Anteilnahme. Ich selbst empfinde es gar nicht so schlimm, da das Teil für niemanden bestimmt war und für mich war das alles ein Versuch, mal eine nicht alltägliche Zwinge herzustellen und um Arbeitsschritte zu testen und zu vereinfachen.
      Und da das Reststück mit Hitze gut aus dem Griff ging, eine neue Klinge schnell gemacht war, ist das Ganze schon wieder vergessen.

      Hallo Hermann,
      Bei der Gelegenheit, Frage an alle Profis:
      sicher besteht doch ein Unterschied zwischen Sägeblättern mit oder ohne Videazähne?
      Weiß da wer Bescheid?

      Bei alten Sägen ist das Blatt meist aus einer Stahlsorte. Heute wird gerne der Bereich der sägt mit Hss zusammengefügt, nur der Bereich der schneidet ist aus hochwertigem Stahl.
      Auch so bei Widia besetzten Blättern. Da kann es auch sein, dass das Trägermaterial nicht mal härtbar ist.
      Ich habe ein Kreissägeblatt für Metall aus Hss. Wenn man sich das antut, ist das bearbeiten aufwendig. Mir ist das die Mehrarbeit nicht wert, schon alleine der Verschleiß für Bänder.

      Hallo Reinhard,
      Einfach eine leicht abfallende Kurve, vielleicht sogar nur im vorderen Drittel oder Hälfte.

      Meinst du das wie auf dem folgenden Bild Skizze 1 gestrichelte Linie?
      Gemeint von Thomas Hauschild sind die Kanten wie auf Skizze 2 zu sehen ist.
      Diese wurden von mir allerdings feinst geschliffen, wie oben auf den Bildern schwer zu erkennen ist. Man sieht eine silberne Linie an der Kante. Diese habe ich gewollt nicht größer gemacht, da ich den dunklen Bereich der Klinge möglichst wenig mit einer silbernen Linie entstellen wollte. Die rauhe Oberfläche des dunklen Bereichs ist da eher der Grund für eine ungewollte Sollbruchstelle. Wenn ich das alles eliminieren wollte, wäre die Klinge im dunklen Bereich blank und das wollte ich ja nicht.
      Ich sollte auch dazu sagen, dass ich schon heftig an dem Teil gezerrt habe.
      Vielleicht war ja auch schon ein Haarriss vorhanden, gesehen habe ich jedenfalls nichts. Nächstes mal mache ich eine Klangprobe, bevor ich die Klinge einklebe.





      Die größte Schwachstelle an einem Messer ist der Bereich, den man auf folgendem Bild sieht.
      Das sieht man oft, dass diese Stelle rechtwinklig hergestellt wird. Diese Stelle muß abgerundet sein und am besten, auch noch poliert. Bei hoher Belastung können dort die kleinsten Kratzer einen Haarriss verursachen.


      Gruß aus dem sonnigen Mainspitzdreieck
      Peter
    • Hallo Peter, ich hatte den ganzen Rücken gemeint, etwa so:



      Das habe ich jetzt schnell mit Photoshop gefaked, ich bitte um Entschuldigung für den Eingriff. Gemeint hatte ich eine sanft abfallende Kurve mit ziemlich großem Radius. Das bringt eine elegante Linie hinein. Allerdings ist das natürlich eine vollständige Geschmackssache.
      feilt seit 10 2018
    • Hallo Peter,
      war jetzt dein Gattersägeblatt mit oder ohne Vidia.
      Ich habe immer versucht solche ohne zu verwenden
      was aber immer schwieriger wird, konnte aber keine großen Unterschiede
      zw beiden feststellen.
      By the way: warum soll Bestar uns anlügen, außerdem mache ich keine Messer aus nicht härtbaren Stahl!!!!
      Bleibt die Frage wie kommt die Scheiße aufs Dach.
      Scharfe Kanten abrunden hilft natürlich - macht das aber soviel aus???
      Habe übrigens, vor einiger Zeit, eine Versuchsreihe gestartet: kleine Streifen ( vom Gattersägeblatt mit Vidiazähnen) abgeschnitten
      gehärtet und dann mit 160;170;180;190und 200 Grad angelassen, siehe da beste Ergebnisse bei 180Grad, wie bei 1,2235.
      so long
    • Hallo Hermann,

      mein Blatt ist ohne Widia. Ich sagte auch nix von anlügen oder sonst was.
      Es ist lediglich eine Preisfrage für die Hersteller, nicht das komplette Blatt aus einem höherwertigem Material herzustellen. Das war frühr eher nicht so oft der Fall aber mit immer besser werdenden Verfahren der Herstellung lonnt sich das bei Massenherstellung.
      Ich habe auch nicht unterstellt, dass du Messer evtl. aus nicht härtbaren Stahl machst.
      Es gibt halt billige Kreissägeblätter aus Fernost, da ist das Trägermaterial billigstes Zeug mit Hartmetall besetzt.
      Wenn du heute ein Sägeblatt für eine kleine Bandsäge kaufst, ist auch solch ein kleines Blatt aus zwei verschiedenen Materialien zusammengeschweist, es geht um jeden Cent

      Gruß
      Peter
    • Hallo Reinhad,

      ja, hätte man machen können.
      Hinterher, wenn ich etwas gemacht habe, kommen mir auch oft Ideen, wie es hätte besser werden können. Ich bin ein schlechter Designer, ich habe es mehr mit tüfteln .
    • Das geht auch nachher, zumindest, wenn ein vernünftiger bandschleifer zur Verfügung steht. Mit scharfem Band kurzen Schleifvorgängen und zwischenzeitlichen Kühlung der Klinge.

      Jemand, der eine solche kreative Idee für ein keltisches Muster hat, sollte sich auch nicht als schlechter Designer bezeichnen, finde ich.
      feilt seit 10 2018
    • hermann schrieb:

      Scharfe Kanten abrunden hilft natürlich - macht das aber soviel aus???
      ja macht es. 90° Biegetest geht nur mit gerundeten und polierten Kanten. Biegungen erzeugen immer die höchsten Spannungen in den Ecken. Da startet dann der Bruch und knack. Das hat sogar weniger mit dem Material zu tun sondern ist technische Mechanik. Jeder Recheckquerschnitt hält im Biegetest und Dauerschwingtest nur ein Zehntel der Lastwechsel ohne gerundete Kanten.

      Viele Grüße Thomas
    • Hallo Reinhard,

      war mein Beitrag Nr. 8 mit der Skizze in diesem Thema so unklar dargestellt?
      Jede Kerbe oder Kratzer bilden eine Schwachstelle. Bei hoher Beanspruchung eines Stahls wirkt sich die Rauheit der Oberfläche negativ auf das Bruchverhalten aus. Runde fließende und glatte Übergänge sind da immer von Vorteil.
      Aber auch der Gefügeverlauf ist entscheident bei entsprechenden Belastung. Z. B. eine Kurbelwelle. Die wird in der Regel geschmiedet, das Gefüge
      verläuft so wie die Form der längs der Welle. Die hält mehr aus als eine die aus dem Vollen gedreht/ gerfäst wurde.
      Oder für Messermacher nicht uninteressant, die Walzrichtung von einer Rolle Stahlblech. Da wird ja ein Barren lang gewalzt bis er die gewünschte Dicke hat. Wenn man jetzt eine Klinge quer zur Walzrichtung ausschneidet und härtet, wird sie im Biegeversuch früher brechen als eine Klinge, die längs zur Walzrichtung/ Gefügeverlauf ausgeschnitten wurde. Wohlgemerkt bei identischer Wärmebehandlung.
      Ich weiß nicht ob ich das jetzt verständlich rüber gebracht habe. Wenn ich das jetzt lese, verstehe ich es ja selbst kaum ?(

      Gruß Peter
    • Es lag an mir selbst, denn ich habe das, was mich interessiert hatte aufmerksamer gelesen, als die mechanische Frage.

      Auch war mir dem Grund nach schon bekannt, dass die Form einen Einfluss auf die Spannungsverläufe in einem Werkstück hat und das im Effekt auch Unterschiede in der Belastbarkeit ausmacht. Dass es aber so extrem ist, wie 10 von 100, war mir neu.

      Das Missverständnis meinerseits lag darin, daß ich bei dem Vorschlag einer Abrundung die Silhouette der Klinge vor Augen hatte und nicht die kanten und auch nicht den Bezug zum Bruch. Komplette betriebsblindheit meinerseits.

      PS: Die Walzrichtung spielt eine Rolle ? Wie beunruhigend! Ich hatte angenommen, der Walzstahl werde normalisiert - sofern es sich um Werkzeugstähle handelt.
      feilt seit 10 2018

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von BLB Blades ()