Taktisches Dreierlei – die Microtech SOCOM bunch …

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    • Taktisches Dreierlei – die Microtech SOCOM bunch …

      Ich möchte Euch heute meine kleine SOCOM Bande vorstellen und Euch bei dieser Gelegenheit einmal die Unterschiede zwischen einem „SOCOM“ und einem „SOCOM ELITE“ näherbringen. Wenn man sich nie ausführlicher mit Microtech beschäftigt hat, dann können diese beiden Modellnamen durchaus verwirren. Aber dazu gleich mehr.

      Ich möchte Euch jetzt nicht mit der ganzen Microtech Story langweilen. Aber ein bisschen Hintergrundinformation ist vielleicht für den einen oder anderen Microtech-Neuling ganz interessant. Zusammengefasst kann man sagen, dass Microtech ein amerikanischer Messerhersteller ist, der seine Modelle ausschließlich in „lots“ oder Chargen produziert. Ähnlich wie z.B. Strider oder Busse und im Gegensatz zur Großserie bei Benchmade, Spyderco, Kershaw usw. Microtech wurde in Florida gegründet und der besondere Ruf basiert auf dem Gründer des Unternehmens und dem kreativen Kopf, Antony „Tony“ Marfione. Hier auf der Homepage kann man ein bisschen über die Unternehmenshistorie nachlesen:

      http://www.marfionecustomknives.com/amarfione.html

      Auch hier wieder Paralellen zu Strider und Busse. Nämlich das mehr oder weniger gezielte Aufbauen und penible pflegen eines Personenkultes um den Firmengründer. Weiter möchte ich diese 3 Unternehmen und Personen hier nicht vergleichen. Das würde zu weit führen. Tony Marfione hat sich immer als „custom knife maker“ verstanden und auch heute noch sind seine custom Versionen von den Serienmodellen absolute Highlights in Punkto Materialkomposition, technischer Präzision und high end finish.

      Der gute Ruf von Microtech (welcher nach Produktionsverlagerungen und damit einhergehenden Qualitätsproblemen zwischenzeitlich auch schon einmal etwas ramponiert war) entstammt einer mit höchster Sorgfalt ausgeführten Kleinserienproduktion, deren technische Präzision mit extrem geringen Toleranzen und hervorragendem Finish vielleicht am ehesten mit Chris Reeve zu vergleichen war. Diese hohe technische Präzision macht sich natürlich nochmals deutlicher bei Automatikmesser bemerkbar und hier noch einmal ganz besonders bei den OTF (Out of The Front) Automatikmessern. Für diese Messer ist Microtech berühmt und man kann wohl ohne Fanbrille und Markenverklärung sagen, dass in diesem Bereich kein Hersteller Microtech das Wasser reichen kann. OTF waren auch die ersten Modelle mit denen Microtech an den Markt ging. Dann folgten Balisong Modelle (Butterfly Messer) und erst dann folgten die sogenannten „side opener“, also seitlich öffnende Automatikmesser. Mit Letzteren im Sortiment hatte Microtech die Möglichkeit, auch manuell zu öffnende Modelle anzubieten und konnte sich damit dann auch noch Käufergruppen erschließen, die kein Automatikmesser haben wollen. So hat man begonnen auch manuelle Versionen dieser „side opener“ herzustellen. Zu erkennen an dem Modellnamens-Zusatz „MA“ für Manual Action. Es ist also für das Verständnis von manuellen Microtech foldern nicht uninteressant zu wissen, dass die meisten von ihnen als Automatikmesser konzipiert und auf die Welt gekommen und dann durch Weglassen der Springer-Mechanik und dem Einbau einer konventionellen Verriegelungsmechanik (meist liner lock) entstanden sind.

      Eines der bekanntesten Modelle von Microtech kam ebenfalls während der Gründerjahre bzw. kurz danach, in den 90ern, auf den Markt. Das SOCOM.

      Das SOCOM war eines der ersten Messer, welches ohne dass es den Begriff "Tactical folder"zu seiner Markteinführung bereits gab, nach heutigem Verständnis in diese Kategorie passt. Im Gegensatz zu heutigen „Materialschlachten“, wo einem manchmal der Gedanke an eine „scharf geschliffene Brechstange“ beschleicht, war Microtech damals von dieser Art einen folder zu bauen weit entfernt. Primär Alugriffe, mit Einlagen aus rutschhemmenden Materialien, in schlanker Ausführung. Klingenstärken noch nicht im Bereich von 4mm und darüber sowie Verriegelungsmechanismen, die in ihrer Auslegung einem damals üblichen Messergebrauch völlig angemessen waren und nicht erst als zuverlässig eingestuft wurden, nachdem sie in einem „hard use test Video“ Ytong-Steine auseinandergebrochen hatten ……

      Microtech hat nicht unbedingt ein Riesensortiment. Aber allein durch die Klingenvarianten gibt es von den meisten Modellen zahlreiche Versionen, die ein Sammeln mit Vollständigkeitsanspruch zu einem ambitionierten Unterfangen ausarten lassen.

      Ich besitze 3 SOCOM bzw. genauer gesagt 2 SOCOM und 1 SOCOM ELITE. Das „ELITE“ ist grob gesagt der Nachfolger des SOCOM. Nagelt mich auch hier nicht fest. Vielleicht haben sich die Produktionszeiträume überlappt. Aber irgendwann gab es dann meines Wissens nach nur noch das „ELITE“. Das macht auch Sinn, denn das ELITE sollte ja einen technologischen Fortschritt gegenüber dem SOCOM darstellen. Ob das auch so ist darüber kann man trefflich diskutieren. Wir kommen noch darauf, wenn ich auf die Unterschiede näher eingehe.

      Steigen wir nun (endlich wird der Eine oder Andere denken ….) in die Bilder ein. Hier die neuere Version, das SOCOM ELITE, mit Clippoint Klinge im stonewashed finish:








      Hier der Vorläufer, das SOCOM. Ein Mal mit schwarz beschichteter und ein Mal mit grau (nennt sich "silver") beschichteter Tanto-Klinge:













      Gehen wir mal auf die Unterschiede zwischen SOCOM und SOCOM ELITE näher ein. Wie Ihr oben schon sehen konntet, unterscheiden sich die Griffe nicht gewaltig, aber durchaus erkennbar. Die rutschhemmenden Griffeinlagen sind unterschiedlich gestaltet. Beim SOCOM gibt es die Einlagen nur auf einer Griffseite. Beim SOCOM ELITE gibt es auf beiden Griffseiten diese Einlagen.



      Übrigens bei den alten Microtech Modellen und somit auch bei meinen 3 Exemplaren noch aus Kraton, einem Gummimaterial. Bei den neuen Modellen wird „Skateboard-Tape“ verwendet, was ich persönlich grausig finde.

      Die Clipgestaltung und –Befestigung fällt auch unterschiedlich aus und der Daumenpin ist beim ELITE einen Tick größer:







      Die Gesamtgestaltungen von SOCOM und SOCOM ELITE liegen aber sehr nah beieinander, was ja bei „Geschwistern“ nicht unüblich ist. Es gab ja auch keine Notwendigkeit, den Erfolg des SOCOM durch eine radikale Umgestaltung zu riskieren. Einen etwas größeren optischen Unterschied findet man dennoch und zwar in der Gestaltung des Griffrückens. Beim neueren SOCOM ELITE sind die Durchbrüche in den Alu-Griffschalen größer, beim SOCOM sind sie filigraner. Optisch gefällt mir der Griffrücken des SOCOM besser.



      Der wesentliche Unterschied zwischen SOCOM und SOCOM ELITE besteht aber im technischen Aufbau des Verriegelungsmechanismus. Ich kann das leider hier nur bedingt anhand von Fotos nachvollziehbar machen und ich zerlege meine Messer nicht für ein paar Explosionsdarstellungen …. Ich hoffe aber ich kann es trotzdem erläutern. Beim SOCOM hat man noch einen klassischen Liner Lock verbaut. Beim ELITE ist der lockbar kürzer und wird nicht durch eine Vorbiegespannung beim Aufklappen der Klinge vor die Klingenwurzel bewegt, sondern er wird durch eine in der Griffschale sitzende Feder zur Seite und somit vor die Klingenwurzel gedrückt.












      Hier die Aufnahme des lockbar, der zusätzlich von oben mit einer Schraube fixiert ist:



      So richtig durchgesetzt hat sich das Konzept in der Messerwelt nicht und ich kann nur über den beabsichtigten Nutzen spekulieren. Vielleicht hatte man gemeint durch eine auswechselbare Feder jeglichem Nachlassen der Spannung besser begegnen zu können, als mit einem komplett zu tauschenden lockbar. Ich weiß es nicht. Auch hier kann ich als Sammler und mangels entsprechender „hard use tests“ keinen Nachweis darüber führen, ob das eine oder das anderer Konzept Vorteile hat. Vielleicht ist es auch einfach schlichtweg die Marketingnotwendigkeit, "Innovation" passieren zu lassen ......

      Kommen wir mal zu den Klingen. Meine 3 SOCOM repräsentieren, wie oben schon erwähnt, die beiden bei Microtech gängigen Klingenformen „Clippoint“ und „Tanto“. Auch hier kann man unter Nutzungsaspekten im EDC Betrieb der Clippoint Klinge die besseren Alround-Eigenschaften zusprechen. Die Tantoklinge unterstreicht dafür den „taktischen“ Gesamteindruck (da haben wir es wieder …..) deutlicher als es die Clipppoint Klinge zu tun vermag. Darüber hinaus finde ich persönlich die Optik einer Tantoklinge komplexer, anspruchsvoller. Für jemand der sich für Microtech interessiert und vielleicht überlegt sich ein paar Exemplare zuzulegen, dem kann ich beim SOCOM (oder SOCOM ELITE) empfehlen beide Klingenvarianten zu kaufen.
















      Hier noch einmal das Trio im Formationsflug:





      So. Damit bin ich mal wieder am Ende der kleinen Reise angelangt. Microtech folder haben dieses gewisse Etwas, was manch anderen Messermarken total abgeht. Diese Mischung aus Geschichten und Mythos rund herum um die Firma und den zweifelsfrei sehr talentierten Gründer. Die Kombination aus einer sehr konsequenten Umsetzung des Nutzungsgedankens, ohne dabei in einem übertriebenen „form follows function“ Anfall die Optik gnadenlos zu opfern. Die bei jedem Messer sofort erfühlbare hohe Fertigungspräzision. Die Summe dieser Dinge machen diese Messer zu etwas Besonderem. Das erschließt sich nur, wenn man mal eins in die Hand nimmt.

      Da Microtech ja alle wesentlichen Daten der Messer und eben auch das Baujahr in epischer Breite auf der Klinge verewigt, kann man wunderbar alte Jahrgänge identifizieren und kaufen, ohne sich auf Ratespiele einlassen zu müssen.

      Ich freue mich wie immer über Feedback und ergänzende Informationen.

      Viele Grüße,

      Stefan
    • Habe mit Google nach Microtech Messer gesucht. Deinen Vergleich gelesen.
      Vielen Dank dafür, auch wenn es kein neuer Vergleich ist.
      Die Bilder KLASSE.
      Wenn Du Sie noch besitzt - mögen Sie immer scharf genug sein.

      Gruß Marc